Süßstoff Aspartam – laut WHO möglicherweise krebserregend

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Fast kalorienfrei und trotzdem keine Geschmackseinbußen? Süßstoffe gelten als perfekter Zuckerersatz und praktische Abnehmhelfer. Dagegen steht die Vermutung, sie könnten eine erbgutverändernde und krebserzeugende Wirkung haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Stoff nun als möglicherweise krebserregend eingestuft. Wie gefährlich sind Aspartam, Saccharin und Co?

Jede:r Deutsche verzehrt circa 35 Kilogramm Zucker und damit 140.000 Kilokalorien im Jahr. Um diesen immensen Zuckerkonsum zu reduzieren, werden Süßstoffe oft als kalorienarme Alternative eingesetzt. Da sie dem Zucker geschmacklich sehr ähnlich sind und zugleich deutlich weniger Kalorien besitzen, findest Du sie oft in Light- oder Diätprodukten, aber auch in Limonaden, Kaugummis und Joghurts.

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Grenzwerte für den täglichen Konsum

Expert:innen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben für jeden zugelassenen Süßstoff einen Grenzwert festgelegt, den ADI („Acceptable Daily Intake“). Bis zu dieser Grenze sei keinerlei gesundheitsschädliches Risiko zu erwarten. Für Saccharin liegt dieser Wert beispielsweise bei fünf Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, für Aspartam sogar bei 40 Milligramm. Diese erreichst Du aber nur beim Verzehr großer Mengen des Zuckerersatzes. Um an den Grenzwert für Aspartam zu gelangen, müsste zum Beispiel ein 70 Kilogramm schwerer Mann ungefähr sieben Liter bzw. neun bis 14 Dosen Limonade trinken.

Aspartam – 200-mal süßer als Zucker und mit Vorsicht zu genießen

Aspartam oder E 951 ist in Europa und insgesamt 90 Ländern offiziell als Tafelsüßstoff und Lebensmittelzusatz zugelassen. Bei einem vergleichbaren Energiegehalt mit Zucker besitzt er jedoch eine circa 200-mal stärkere Süßkraft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stufte den künstlichen Süßstoff zunächst als unbedenklich und sicher ein. Lediglich Menschen, die an der Stoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU) leiden, sollten aufpassen. Aufgrund der angereicherten Aminosäure Phenylalanin, die in unserem Verdauungstrakt aus Aspartam gebildet wird, können aber gesundheitsschädliche Beeinträchtigungen entstehen. Aspartamhaltige Lebensmittel müssen deshalb entsprechend gekennzeichnet werden.

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Krämpfe, Kopfschmerzen, neurologische Beeinträchtigungen

Trotz der Einstufung als sicherer Zusatzstoff stehen Süßstoffe jedoch häufig im Verdacht, Krebs zu verursachen. Eine mögliche krebserregende Wirkung für Aspartam wird bereits seit Jahrzehnten postuliert. So geriet der Stoff beispielsweise 2005 in die Diskussion: Wissenschaftler:innen verabreichten in einem Tierversuch Ratten den synthetischen Stoff, woraufhin bei den Tieren vermehrt Tumore nachgewiesen werden konnten. Die Datenlage war jedoch dürftig und auch bisher nicht ausreichend, um einen direkten Zusammenhang herzustellen. Nach Einschätzungen der EFSA wies diese Studie zudem erhebliche Mängel auf. Eindeutige Hinweise auf eine erbgutverändernde oder krebserzeugende Wirkung konnten nicht festgestellt werden.

Obwohl der Großteil der Forscher:innen den Stoff als unbedenklich einstufen, wurde er in vielen Studien mit Krämpfen, Kopfschmerzen oder anderen neurologischen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht. Die WHO hat den Stoff nun auf Basis einer neuen Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B) eingestuft.

Was bedeutet die Einstufung „möglicherweise krebserregend“?

Die Klassifikation der IARC, des National Toxicology Program (NTP) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sind maßgeblich für die Einstufung als krebserregend beim Menschen.

  • Krebserregende Stoffe der Klasse 1 werden als „sicherlich krebserregend“ für den Menschen betrachtet, da es ausreichende wissenschaftliche Beweise dafür gibt, dass diese Substanzen Krebs bei Menschen verursachen können.
  • Die Substanzen in Klasse 2 werden als „möglicherweise krebserregend" für den Menschen betrachtet, denn es gibt zwar begrenzte Hinweise auf eine mögliche krebserregende Wirkung, aber die Beweise sind noch nicht ausreichend oder eindeutig genug.

Im Falle von Aspartam gibt es keine eindeutigen Hinweise auf ein Krebsrisiko beim Menschen. Die Einschätzung basiert auf limitierten Studien an Tieren. Mary Schubauer-Berigan, die stellvertretende Leiterin des IARC-Programms, erklärte dazu, dass die neue Einstufung nicht so verstanden werden sollte, dass der Verzehr von Aspartam eine erwiesene Krebsgefahr darstelle. „Dies ist eher ein Aufruf an die Wissenschaft, sich um eine bessere Erforschung und ein besseres Verständnis der Krebsgefahr zu bemühen, die möglicherweise vom Aspartam-Konsum ausgeht oder eben nicht.“

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Süßer Dickmacher?

Präsenter als die Debatte über die gesundheitsschädlichen Wirkungen, ist jedoch die Annahme, Süßstoffe machten dick – weil sie auch in der Tiermast eingesetzt werden, um laut Futtermittelverordnung den Ferkeln das leicht bittere Kraftfutter etwas schmackhafter zu machen. Die appetitanregende Wirkung wird vermutlich durch eine Art Konditionierung hervorgerufen.

Normalerweise erwartet Dein Körper bei süßer Nahrung eine entsprechende Kalorienzufuhr. Er reagiert also vorsorglich mit einer Insulinausschüttung. Bleibt die erwartete Zuckerzufuhr jedoch aus, sinkt der Blutzuckerspiegel, und Du bekommst Hunger. So kann es ganz leicht zu Übergewicht kommen. Andreas Pfeiffer, Professor am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke, meint jedoch, dass der eigentlich sehr kontrollierte Prozess der Insulinproduktion durch Süßstoffe eher nicht beeinträchtigt würde. Zum Abnehmen seien sie aber wohl eher nicht geeignet. Forscher:innen raten dazu, Süßstoffe maßvoll zu verwenden oder aber sinnvoll einzusetzen, um die tägliche Kalorienzufuhr zu reduzieren.

Süßstoffe täuschen das Gehirn und machen süchtig

Professor Achim Peters ist Adipositas-Experte und hat gemeinsam mit einer Forschungsgruppe die Theorie des eigensüchtigen Gehirns entwickelt. Diese besagt, dass das Gehirn seinen Energiebedarf fast ausschließlich mit Zucker deckt und das Ziel verfolgt, den Glukosehaushalt möglichst konstant zu halten. Um das zu gewährleisten, zwackt es auch Energie aus dem Körper ab. Bekommt Dein Gehirn nicht genügend Zucker, weicht es auf andere Strategien aus. Die Folge sind Hunger und vermehrte Nahrungsaufnahme. So kann beispielsweise ein Übergewicht entstehen.

Süßstoffe verunsichern den Körper in dieser Hinsicht und senden dem Gehirn eine Art „Falschsignal“. Eigentlich erhält es über den Geschmackssinn die Information: Zucker im Anmarsch! Der Körper stellt daraufhin seinen Stoffwechsel um, wird jedoch – was die Kalorienzufuhr angeht – getäuscht. Das Gehirn kann somit nicht richtig einschätzen, ob nun Energie geliefert wird oder nicht.

Zu guter Letzt: Internationale Studien haben immer wieder das hohe Suchtpotenzial der künstlichen Süßungsmittel untersucht. Die Ergebnisse decken sich: Sie machen süchtig – sogar stärker als Kokain oder Heroin.

Quellen

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