Ganze drei Viertel des Tee-Konsums in Deutschland gehen auf schwarzen Tee. Als Muntermacher zum Frühstück oder abends zur Entspannung, pur oder mit Milch und Zucker verfeinert: Schwarzer Tee ist vielseitig, wirkt je nach Zubereitung belebend oder beruhigend und ist nicht zuletzt wegen seines unvergleichlich kräftigen Aromas so beliebt. Wie genau er eigentlich hergestellt wird und welche Nährstoffe in den dunklen Teeblättern stecken, wissen allerdings die wenigsten Konsumenten.
Schwarzer Tee wird, wie auch grüner und weißer Tee, aus den Blättern der Teepflanze (Camellia sinensis) hergestellt. Diese wird vor allem in China, Indien, Indonesien und Sri Lanka kultiviert. Während das aromatische Heißgetränk in China schon seit Jahrtausenden getrunken wird, ist schwarzer Tee im europäischen Raum erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt.
Für die Herstellung von schwarzem Tee ist mehr als das bloße Trocknen der Teeblätter nötig. Damit diese im Anschluss leichter zu verarbeiten sind, lässt man sie nach der Ernte erst einmal eine Zeit lang welken. Anschließend werden sie gerollt, um die Zellwände aufzubrechen und ätherische Öle freizusetzen. Die Öle entfalten sich bei einer Temperatur von 30 °C am besten: Diesen Vorgang, der meist in einer speziellen Gärkammer stattfindet, nennt man Fermentation oder auch Oxidation. In einem letzten Schritt werden die Teeblätter bei etwa 90 °C getrocknet, wobei er auch seine dunkle Farbe annimmt.
Der Fermentations-Prozess unterscheidet schwarzen Tee von grünem oder weißem Tee. Denn hier werden die Teeblätter zwar auch gerollt; die Oxidation wird aber durch kurzes Erhitzen verhindert. Durch diese schonendere Vorgehensweise bleiben bestimmte Pflanzenstoffe im Teeblatt erhalten, die beim Schwarztee infolge der Fermentation verloren gehen.
Die Teesorten Assam, Darjeeling und Ceylon sind den meisten Teetrinkern ein Begriff. Ihren Namen haben sie von der Region, wo die jeweilige Sorte angebaut wird. Aus Indien stammen unter anderem die kräftige Schwarztee-Sorte Assam und der Darjeeling-Tee, welcher vorwiegend auf hoch gelegenen Hängen kultiviert wird. Der beliebte Ceylon Tee kommt aus Sri Lanka und wird aus einer Weiterzüchtung der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt, weswegen Ceylon Tee besonders kräftig schmeckt.
Schwarzer Tee enthält, wie auch Kaffee, Koffein - etwa 20 bis 50 Milligramm davon stecken in einer Tasse. Im Gegensatz zu Kaffee wird in Tee enthaltenes Koffein aber langsamer vom Körper aufgenommen und seine Wirkung deshalb als sanfter wahrgenommen. Dennoch wirkt schwarzer Tee durch das Koffein anregend auf Kreislauf, Stoffwechsel, Herz und Gehirn.
Viele sekundäre Pflanzenstoffe, die mit einer heilsamen Wirkung in Verbindung gebracht werden, verliert schwarzer Tee im Zuge der Fermentation. Bei grünem oder weißem Tee dagegen bleiben diese Wirkstoffe, darunter Catechine, zum größten Teil erhalten. Ernährungswissenschaftler gehen davon aus, dass Catechine den Körper vor Schadstoffen, sogenannten freien Radikalen schützen, und sich positiv auf Blutzucker- und Cholesterin-Werte auswirken. Es ist sogar denkbar, dass die sekundären Pflanzenstoffe in Tees das Risiko mildern können, an Krebs oder Demenz zu erkranken.
Neben Koffein enthält schwarzer Tee die Stoffe Alkaloide, Adenin, Theophyllin, Teegerbstoffe, ätherische Öle, die Mineralstoffe Mangan, Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Kupfer, Phosphat und Fluor sowie die Vitamine B1, B2 und Pantothensäure. Den ätherischen Ölen sowie den Gerbstoffen verdankt der schwarze Tee seinen Geschmack. Gerbstoffe bzw. Tannine gelten außerdem als entzündungshemmend. Das enthaltene Fluorid härtet den Zahnschmelz und schützt dadurch vor Karies.
Ein und derselbe Tee kann völlig unterschiedlich schmecken, wenn er auf verschiedene Art und Weise zubereitet wird. Wichtig für den Geschmack, aber auch die Wirkung von schwarzem Tee sind vor allem Wassertemperatur und Ziehzeit. Im Gegensatz zum grünen Tee, der am besten mit schon etwas abgekühltem Wasser übergossen wird, brüht man schwarzen Tee mit sprudelnd kochendem Wasser auf. Das Wasser sollte unbedingt frisch und möglichst kalkfrei sein, damit der Tee sein Aroma voll entfalten kann und richtig gut schmeckt. Was die Ziehzeit betrifft, so gibt man schwarzem Tee etwa zwei bis drei Minuten, bis man die Teeblätter bzw. den Teebeutel aus der Tasse nimmt. Lässt man schwarzen Tee länger ziehen, wirkt er eher beruhigend als stimulierend. Mehr als fünf Minuten sind jedoch nicht zu empfehlen, weil der Tee sonst bitter wird.
Schwarzer Tee, grüner Tee, Früchtetee - alle gängigen Sorten gibt es mittlerweile auch in der Bio-Variante. Aber was ist dran am Bio-Siegel? Sind Bio-Tees wirklich gesünder als konventionelle Mischungen?
Das Bio-Siegel gibt Aufschluss über die Behandlung der Teepflanzen, aus denen der Tee gewonnen wird. Die international geltenden Richtlinien geben vor, dass keine Pestizide für den Anbau des Tees verwendet werden dürfen. Auch künstliche Düngemittel sind verboten; stattdessen müssen die Teelieferanten auf Kompost und Dung zurückgreifen. Das ist sowohl für den Verbraucher als auch für die Arbeiter auf der Teeplantage und die Umwelt von Bedeutung: Die zur Schädlingsbekämpfung und Düngung verwendeten Giftstoffe gelangen durch den Boden ins Grundwasser, in die Atemwege der Pflücker und letzten Endes auch mit den getrockneten Teeblättern in den Teebeutel. Wer auf Pestizidrückstände verzichten will, sollte also durchaus zum schwarzen Bio Tee greifen. Auswahl gibt es genug: Der schwarze Tee von Alnatura zum Beispiel wurde 2011 von der Verbraucher Initiative als “besonders empfehlenswert” ausgezeichnet. Ebenso der Darjeeling Tee von BioBio, der außerdem das Siegel “Sehr gut” von Ökotest erhalten hat.
Für den Verbaucher ist es meistens sehr schwierig abzuschätzen, ob es sich um ein gutes Produkt handelt oder nicht - die Auswahl ist groß, es kommen immer neue Marken und Produkte auf den Markt und auch die zahlreichen Labels auf den Verpackungen können für Verwirrung sorgen. Besonders heikel ist es bei Lebensmitteln wie Tee, die nicht aus regionaler Herstellung stammen, sondern aus Ländern wie China und Indien importiert werden: Hier fragt sich der Verbraucher zurecht, wo und unter welchen Bedingungen der Tee angebaut wurde und welche Inhaltsstoffe in die Tasse gelangen. Eine gute Orientierung bieten hier die Tests renommierter Verbrauchermagazine, wie etwa Ökotest, Stiftung Warentest und Verbaucher Initiative.
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