Zucker, Pestizide, Mineralöle: Nicht alle Müslis sind gesund

Früchtemüsli im Öko-Test

Zucker, Pestizide, Mineralöle: Nicht alle Müslis sind gesund - Früchtemüsli im Öko-Test

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Ob knallgrün oder tiefrot – das Bewertungssystem von Öko-Test schöpft im aktuellen Früchtemüsli-Test alle Farben aus. Die Hauptgründe für die schlechten Noten: zu viel Zucker, Pestizidrückstände (darunter Glyphosat) und sogar ein gefährliches Schimmelpilzgift. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die meisten Bio-Müslis im Test waren frei von Pestiziden und fast alle von ihnen schnitten „gut“ oder „sehr gut“ ab.

  • Getestet wurden 40 Müslis, davon 25 in Bio-Qualität.
  • Bei Auslobungen wie „ungesüßt“ oder „ohne Zuckerzusatz“ solltest du hinsichtlich des Zuckergehalts skeptisch sein. Viele Müslis mit Trockenfrüchten sind wahre Zuckerbomben.
  • Bewahre Müsli trocken bis luftdicht, dunkel und vor Hitze geschützt auf. So ist es auch nach dem Öffnen lange haltbar, oft über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus.

Dieses Produkt erhielt von Öko-Test die Note „Sehr gut“

(Natürlicher) Zucker ist ein Problem

Bei Produktversprechen wie „ungesüßt“ oder „ohne Zuckerzusatz“ solltest du genauer hinschauen. Sie sagen wenig aus und lenken eher davon ab, dass Trockenfrüchte wie Rosinen oder Datteln sehr viel Zucker liefern. Viele Müslis geben sich unterschwellig als gesund aus, entpuppen sich dabei aber als wahre Fruchtzuckerbomben. Im Vergleich zum Öko-Test von 1985 sind die heutigen Müslis im Durchschnitt zwar nicht weniger süß, aber der Zuckergehalt muss - im Gegensatz zu damals - deklariert werden. Achte daher immer auf die Nährwerttabelle, um herauszufinden, wie viel oder wenig Zucker im Müsli steckt.

So kommt das Dm Bio Früchte Müsli auf satte 32 Gramm Zucker pro 100 Gramm – das ist fast ein Drittel. Und auch das Tegut Bio Müsli Früchte liegt mit 31 Gramm nur knapp darunter. Trotzdem steht auf beiden: „ohne Zuckerzusatz“. Rechtlich ist das übrigens völlig in Ordnung, denn es handelt sich im Wesentlichen um natürlichen Fruchtzucker aus den Trockenfrüchten und nicht um zugesetzten Zucker wie Saccharose, Honig oder Glukosesirup. Dem Körper ist es allerdings ziemlich egal, woher die Süße kommt. Denn Zucker, in welcher Form auch immer, verursacht Karies und ist an der Entstehung von Übergewicht beteiligt. Öko-Test hat deshalb fünf Müslis wegen zu hohem Zuckergehalt abgewertet. Schon mit einer Portion von 50 Gramm nimmt ein Erwachsener mindestens die Hälfte der täglichen Zuckermenge zu sich, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch für gesundheitlich unbedenklich hält.

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Mineralölrückstände als unerwünschter Begleiter

1985 war Mineralöl in Lebensmitteln oder Kosmetika noch kein Thema. Heute sieht das anders aus - auch bei Früchtemüslis. Im Bio Primo Beerenmüsli mit Rosinen fand das Labor sogar jene Mineralölbestandteile, die die Öko-Tester:innen besonders kritisch sehen: aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), zu denen auch krebserregende Verbindungen gehören können. Der im Bio-Müsli gemessene Wert lag über dem Richtwert, den die EU-Kommission als Höchstgehalt für MOAH vorschlägt. Für die Test-Bewertung bedeutet das: ungenügend.

Das Ja! Früchte Müsli von Rewe wies das Labor Mineralölbestandteile aus der Gruppe der MOSH/MOSH-Analoga nach - in Gehalten, die die Prüfer:innen als „erhöht“ einstufen. MOSH reichern sich im menschlichen Körper an. Welche Folgen dies hat, ist noch unklar. Verunreinigungen mit Mineralölen können aus Schmierölen an Maschinen, Verpackungen, Jute-Transportsäcken oder Abgasen stammen.

Pestizide im Müsli sind keine Seltenheit

Öko-Test hat im Test auch nach Spritzmitteln gesucht. Während die Bio-Produkte weitgehend unbelastet sind - lediglich das Müsli von Allos erhält eine Abwertung wegen des von Öko-Test als besonders bedenklich eingestuften Glyphosats -, findet sich in den meisten konventionellen Müslis ein Cocktail aus Pestizidrückständen. Im Alpen No Added Sugar Swiss Style Müsli wies das Labor 17 Einzelsubstanzen nach. Auffällig: Bei mehrfach belasteten Produkten stammen die Sultaninen oft aus China.

Dieses Produkt erhielt von Öko-Test die Note „Ungenügend“

Obwohl die Tester:innen die Gehalte in allen Müslis als Spuren einstufen, sehen sie Mehrfachbelastungen kritisch, da die Wechselwirkungen der Pestizide untereinander noch zu wenig erforscht sind. Eine aktuelle Studie habe kürzlich Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Mehrfachbelastungen mit Pestiziden und der Parkinson-Krankheit geliefert. Und dass einige Anbieter argumentieren, durch den Trocknungsprozess der enthaltenen Früchte würden sich die Pestizide im Müsli anreichern, mache die gehäuften Befunde nicht besser.

Schimmelpilzgift in einem Produkt

Das Gut & Günstig Früchte Müsli ist zudem als einziges Produkt im Test mit Ochratoxin A (OTA) belastet. Das Schimmelpilzgift kann sich zum Beispiel bei der Lagerung bilden, vor allem in Getreide und Früchten, den Hauptbestandteilen von Früchtemüslis. Es ist als krebserregend und erbgutverändernd eingestuft. Außerdem wirkt OTA fruchtschädigend und greift das Immunsystem an.

Umweltärgernis Verpackung

Überflüssige Umverpackungen fallen dagegen in die Kategorie der umweltbelastenden Ärgernisse. Sie dienen den Anbietern eher als Werbefläche, als dass sie für den Schutz der Produkte wirklich notwendig wären. So wertet Öko-Test neun Müslis ab, die zusätzlich in einem Pappkarton stecken, obwohl sie bereits in Plastikbeuteln verpackt sind.

Die Testsiegerprodukte, die Testtabelle und das Gesamtergebnis findest du im Detail im ePaper von Öko-Test.

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