So sieht der Speiseplan der Zukunft aus - Klimawandel und Ernährung

5. Oct 2020
von
Die Lage ist ernst. Seit vor 70 Jahren die moderne Wegwerfgesellschaft entstand, leiden unser Klima, unsere Luft, unsere Wasservorräte sowie die Ökosysteme in den Meeren und an Land in einem dramatisch wachsenden Ausmaß. Schuld daran sind unter anderem die Auslaugung der Böden, der hohe Wasserverbrauch und immense Mengen an Treibhausgasen, die auch unserer Nahrungsmittelproduktion zuzuschreiben sind.
Umweltfreundliche Ernährungsumstellung ist nötig
Im Jahr 2025 müssen zehn Milliarden Menschen von unserem Planeten ernährt werden. Wenn wir also ohne irreversible Schäden für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen weiterhin auf der Erde leben wollen, müssen wir jetzt damit beginnen, innerhalb der wissenschaftlichen Grenzen für Gesundheit und Umwelt zu leben, so die Kommission. Dafür ist eine umweltfreundliche Ernährungsumstellung hin zu weniger Fleisch und mehr Obst und Gemüse auf allen Ebenen notwendig. Verbraucher müssen sich anders ernähren, Landwirte müssen anders produzieren und die Politik muss den Rahmen für diese Veränderungen vorgeben.
So sollte unser Speiseplan der Zukunft aussehen
In ihrer jüngsten Studie gibt die EAT-Lancet-Kommission, die im amerikanischen Boston von PIK-Direktor Johan Rockström und dem Ernährungswissenschaftler Walter Willett von der „Harvard Medical School“ geleitet wird, eine klare Empfehlung für die Zukunft. Unser Konsum von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen müsste sich circa verdoppeln, der von Fleisch und Zucker dagegen halbieren. Moderate Mengen an Fisch und Meeresfrüchten sowie Geflügel sind erlaubt.
Konkret sollten laut der „Planetary Health Diet“ pro Tag 40 Gramm Fleisch, 232 Gramm Vollkorngetreide, 300 Gramm Gemüse und 200 Gramm Obst, 75 Gramm Hülsenfrüchte und maximal 250 Gramm Milchprodukte auf den Teller kommen. Auf rotes Fleisch, Wurstwaren, Zuckerzusätze, Weißmehl und stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Maniok) sollte idealerweise vollkommen verzichtet werden. Diese Ernährung ist relativ flexibel und kann an persönliche Vorlieben und kulturelle Traditionen angepasst werden. Hier findest du eine genau Auflistung der Mengen, und diese Produkte passen in das Ernährungsmodell der „Planetary Health Diet“:
Weniger Fleisch, weniger Abfall und weniger Kilos
Derzeit werden in Deutschland durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr verzehrt. Wissenschaftlern zufolge eindeutig zu viel. Wer sich zum Beispiel alle zwei Wochen ein kleines Steak oder pro Woche ein Hähnchenbrustfilet gönnt, liegt noch im Rahmen der Empfehlungen. Wer dreimal pro Woche Rindfleisch isst, verursacht laut Manuel Klarmann von „Eaternity“ im Interview mit „Lebensmittel Fortschritt“ die gleiche Menge an CO2-Emissionen, wie jemand, der ein ganzes Jahr lang nur Gemüse und Früchte zu sich nimmt. Wenn sich alle Deutschen dreimal pro Woche klimafreundlich ernähren würden, käme die erzielte Klimawirkung dem Wegfall von 3.700.000 Autos gleich.
Eine solche Ernährungsumstellung würde auch vielen Übergewichtigen nützen, zu denen weltweit fast 2,4 Milliarden Menschen zählen. In Deutschland bringen etwa 62 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen zu viel auf die Waage - Tendenz steigend. Die „Planetary Health Diet“ würde die Todesrate durch ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs deutlich senken. Wenn wir zudem keine Nahrungsmittel mehr wegwerfen - Schätzungen zufolge sind es 20 bis 30 Prozent - würden global circa 17 Prozent mehr Nahrung zur Verfügung stehen.
Lebensmittelproduktion innerhalb der planetaren Grenzen
Neben den Empfehlungen der „Planetary Health Diet“ formulierte die EAT-Lancet-Kommission in ihrem Bericht wissenschaftliche Ziele, um die empfohlenen Lebensmittelmengen innerhalb der planetaren Grenzen produzieren zu können. Werden diese Grenzen überschritten, wird die Stabilität des Ökosystems gefährdet und damit auch die Lebensgrundlage für Mensch und Tier. Konkret sollen laut Wissenschaftlern die Landnutzung nicht ausgeweitet werden, die existierende biologische Vielfalt erhalten bleiben, der Wasserverbrauch reduziert und die Schadstoffbelastungen durch Stickstoff und Phosphor erheblich eingeschränkt werden. Darüber hinaus sollte der CO2-Ausstoß auf Null gesenkt werden, die Emissionen von Methan und Stickoxiden dürften nicht weiter zunehmen. Während die Kapazität der Erde, uns mit Lebensmitteln zu versorgen, abnimmt, steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln stetig. Das muss sich ändern.
Nachhaltigere Landwirtschaft wird gefordert
Viele Lebensmittel werden unter einem hohen Energieaufwand und mit weitreichenden Konsequenzen für Umwelt und Klima hergestellt. Die Produktion vieler Waren erfordert große Wassermengen - mehr als in den Haushalten verbraucht wird. Für 250 Gramm Schweineschnitzel werden beispielsweise 1.200 Liter Wasser benötigt, was 40 Toilettenspülungen entspricht. Insgesamt beansprucht die Produktion von Lebensmitteln 70 Prozent des weltweit genutzten Süßwassers.
40 Prozent der globalen Landflächen werden für die Lebensmittelproduktion genutzt und fast ein Drittel der weltweiten Treibhausgase dadurch verursacht. Insbesondere der hohe Fleischkonsum und der steigende Bedarf an Weide- und Ackerflächen sorgen dafür, dass die Böden durch vermehrte Düngung immer mehr auslaugen und Regenwälder verschwinden. Rinder und damit der Konsum von rotem Fleisch sowie Kuhmilch sind besonders klimaschädlich, da für zehn Prozent der globalen Treibhausgase allein die Wiederkäuer verantwortlich sind.
Es liegt also auch an den Bauern und Agrarkonzernen, weniger auf Fleisch zu setzen und mehr pflanzliche Produkte anzubieten. Effizientere Bewässerungssysteme, neuartige Konzepte wie die vertikale Landwirtschaft (Gewächshochhäuser mit mehreren Stockwerken) oder der Einsatz von Drohnen zur Schädlingsbekämpfung sind weitere wichtige Ansätze für eine nachhaltigere, lohnenswertere Nahrungsmittelproduktion der Zukunft. Qualität und Vielfalt statt Quantität ist der Ansatz, den die EAT-Lancet-Kommission propagiert.
Kennzeichnung klimafreundlicher Lebensmittel
Um das Kaufverhalten und die öffentliche Wahrnehmung nachhaltig zu beeinflussen, könnte eine breite Kennzeichnung der Produkte universell ernährungsbedingte Treibhausgase reduzieren. Unser Partner Eaternity macht für CodeCheck die CO2-Bilanz fast aller Lebensmittelprodukte zugänglich. Der Eaternity Score kennzeichnet nachhaltige Produkte und Menüs von Restaurants, deren exakter Umwelt-Fußabdruck zuvor berechnet wird.
Fazit: Jeder von uns kann sofort damit beginnen, die Ernährungswende voranzutreiben. Kein oder nur wenig Fleischkonsum, Produkte aus nachhaltigem Anbau und die Vermeidung von Verschwendung sind dabei die Schlüsselfaktoren. Mit unserem Kaufverhalten kann die Nachfrage gesteuert werden und damit den Weg in eine umwelt- und klimafreundlichere Zukunft ebnen. Dann liegt es „nur noch“ an der Politik und den Nahrungsmittelproduzenten ihren Teil dazu beizutragen.
Weiterführende Links:




En![[final] Biofach 2024](/news/bilder/final-Biofach-2024-250x110-6-447302.jpeg)
![[final] Öko-Test Orangensaft 100](/news/bilder/final-Oeko-Test-Orangensaft-100-250x110-6-445302.jpeg)
![[final] katerinavulcova / Pixabay 70](/news/bilder/final-katerinavulcova-Pixabay-70-250x110-6-420309.jpeg)
![[final] Headerbild](/news/bilder/final-Headerbild-400x176-5-443302.jpeg)
![[final] Öko-Test Feste Duschen](/news/bilder/final-Oeko-Test-Feste-Duschen-400x176-5-446308.jpeg)
![[final] Kinderkosmetik](/news/bilder/final-Kinderkosmetik-400x176-5-446302.jpeg)
![[final] Grünes Peeling](/news/bilder/final-Gruenes-Peeling-400x176-5-442319.jpeg)
![[final] Öko-Test Gesichtscremes 90](/news/bilder/final-Oeko-Test-Gesichtscremes-90-400x176-5-442320.jpeg)




![[final] Biofach 2024](/news/bilder/final-Biofach-2024-120x68-3-447302.jpeg)
![[final] Öko-Test Feste Duschen](/news/bilder/final-Oeko-Test-Feste-Duschen-120x68-3-446308.jpeg)
![[final] Kinderkosmetik](/news/bilder/final-Kinderkosmetik-120x68-3-446302.jpeg)
![[final] Öko-Test Orangensaft 100](/news/bilder/final-Oeko-Test-Orangensaft-100-120x68-3-445302.jpeg)
![[final] Grünes Peeling](/news/bilder/final-Gruenes-Peeling-120x68-3-442319.jpeg)