Pflanzengifte und verbotenes Spritzmittel gefunden

Kräutertee im Ökotest

Pflanzengifte und verbotenes Spritzmittel gefunden - Kräutertee im Ökotest

New Blog Contents (8)

ein Artikel von

Mit vielen Kräutertees im Test kannst Du Dich gemütlich zurücklehnen und sie genießen. Denn 26 Kräuterteemischungen schneiden mit Bestnote ab. Einige können Dir aber auch die Teestunde vermiesen: Sie enthalten Pflanzengifte und Rückstände eines verbotenen Spritzmittels.

  • Mehr als die Hälfte der Kräutertees im Test sind "sehr gut", elf Kräuterteemischungen fallen durch.
  • Es gibt vor allem Probleme mit enthaltenen Pflanzengiften und Rückständen des verbotenen Spritzmittels Chlorpyrifos.
  • Wichtig: Kräutertees immer mit sprudelnd kochendem Wasser aufbrühen, um Mikroorganismen wie Hefen oder Schimmelpilze sicher abzutöten.

Wer bei Kräutertee nur an die nächste Erkältung, nasskaltes Wetter oder an Hausmittel gegen Bauchweh denkt, tut den aromatischen Blättern, Blüten, Stängeln und Samen Unrecht. Tee ist beliebt. In Deutschland werden täglich 129 Millionen Tassen getrunken. Das sind 5,7 Milliarden Liter im Jahr.

Pro Kopf lag der Konsum von Kräuter- und Früchtetee im Jahr 2019 bei 40 Litern. 28 Liter entfielen auf Schwarz- und Grüntee.

Kräutertee im Test: Pestizide als Problem

Ökotest wollte wissen, ob die Tees unbedenklich und schadstofffrei sind. Dafür haben sie 50 nicht-aromatisierte Kräuterteemischungen, in Teebeuteln ebenso wie lose Ware, in verschiedenen Laboren umfangreich analysieren lassen.

Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller getesteten Kräuterteemischungen, darunter 21 Bio-Produkte, kannst Du ohne Bedenken genießen – sie schneiden mit Bestnote ab. Mit leichten Abstrichen kannst Du zur Tea Time auch fünf "gute" Mischungen aufbrühen.

An dieser Stelle wird die gemütliche Stimmung aber leider unterbrochen. Denn elf Kräuterteemischungen fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch den Test. Vor allem Pestizidrückstände und Pflanzengifte sorgen für das schlechte Abschneiden.

Diese Tees erhielten von Ökotest die Note „sehr gut“

Verbotenes Spritzmittel in etlichen Kräutertees

Vor allem das besonders bedenkliche Insektizid Chlorpyrifos, das seit April 2020 in der EU nicht mehr angewendet werden darf, trübt den Teegenuss. Das beauftragte Labor hat das Spritzgift in etlichen Kräuterteemischungen nachgewiesen, auch in Bio-Produkten.

Chlorpyrifos steht im Verdacht, das Erbgut und die neurologische Entwicklung negativ zu beeinflussen. Wie das stark bienentoxische Mittel trotz des geltenden Verbots in die Teemischungen gelangt ist und welcher Rohstoff dafür verantwortlich ist, lässt sich im Nachhinein kaum klären. Auch, weil die Tees aus vielen verschiedenen Zutaten zusammengestellt sind.

Wie kommt Chlorpyrifos in den Tee?

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hält eine "allgemeine Hintergrundbelastung" für sehr wahrscheinlich, da der Stoff, "auch wenn jetzt verboten", seit Jahrzehnten im Einsatz sei.

Pestizidexperten des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) Stuttgart halten dagegen, dass Chlorpyrifos eher nicht zu den Wirkstoffen gehört, die sich anreichern und lange in der Umwelt verbleiben. Daher sei bei Rückständen in der Regel davon auszugehen, dass das Mittel aktiv eingesetzt wurde. Möglicherweise stammen die Pestizid-Funde aber auch aus gelagerter Rohware, die vor dem EU-Verbot geerntet wurde.

So bewertet ÖKO-TEST Rückstände des Insektizids

Für die Bewertung spielt das "Woher" und "Warum" letztlich keine Rolle. Produkte, in denen die Rückstände des verbotenen Insektizids über dem Höchstgehalt von 0,01 mg/kg liegen, schneiden im Test mit "ungenügend" ab.

Dieser "allgemeine" Höchstgehalt gilt seit dem Verbot für jedes Lebensmittel. Weil aber alle festgestellten Chlorpyrifosgehalte nur knapp über dem Höchstgehalt liegen, durften die betroffenen Produkte verkauft werden.

Sechs Kräutertees im Test enthalten Glyphosat

Neben Chlorpyrifos hat das Labor weitere Pestizidrückstände in den Kräutertees gefunden. Handelt es sich dabei um das besonders bedenkliche und krebsverdächtige Glyphosat, wertet Ökotest auch geringe Konzentrationen ab. Das war bei sechs Kräutertees im Test der Fall.

Kritik an Pflanzengiften in Kräutertees

Über Geschmack lässt sich streiten. Doch bei Pflanzengiften gibt es für Ökotest keine Diskussion. Die haben ihrer Ansicht nach in Lebensmitteln nichts zu suchen. Erst recht nicht in solchen wie Kräutertees, die auch Kinder, Schwangere oder Stillende gern in größeren Mengen trinken.

Dennoch wies das beauftragte Labor in zehn Teemischungen Pyrrolizidinalkaloide (PA) und in einem Kräutertee Tropanalkaloide (TA) in Mengen nach, die die Tester als "erhöht" bzw. "stark erhöht" abwerten.

Beide Pflanzengifte kommen natürlicherweise in Beikräutern wie Jakobskreuzkraut oder Bilsenkraut vor, die sich damit vor Fraßfeinden schützen. Das Problem: Gelangen sie versehentlich ins Erntegut, lassen sie sich im Nachhinein nicht mehr daraus entfernen.

Es reichen dabei schon sehr wenige dieser Beikräuter auf oder sogar neben einem Feld aus – egal, ob es bio oder konventionell beackert wird –, um große Mengen an Rohwaren zu kontaminieren. Anders als Keime lassen sich die Alkaloide durch kochendes Wasser nicht zerstören, sondern gehen in den Tee über.

Pflanzengifte können Gesundheit gefährden

PA können – über längere Zeit in geringen Mengen verzehrt – die Leber schädigen und sind zudem potenziell krebserregend und erbgutschädigend. Dagegen sind TA akut giftig und können in größeren Mengen zu Benommenheit, Kopfschmerzen oder Übelkeit führen.

Vor allem Kleinkinder und Menschen mit Herzproblemen sind durch hohe TA-Gehalte gefährdet; die möglichen Gesundheitsgefährdungen durch PA dagegen betreffen alle Menschen.

Den Herstellern ist das Problem mit den Pflanzengiften seit Langem bewusst. Der europäische Dachverband der Teewirtschaft (THIE) hat daher einen Leitfaden erstellt, um die Kontamination von Tee-Rohstoffen mit PA auf ein Niveau zu minimieren, das "so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar" ist.

Dieser Tee erhielt von Ökotest die Note „ungenügend“

Hintergründe zur Bewertung der Pflanzengifte

Ökotest orientiert sich bei der Bewertung an einem Referenzwert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), der mit Blick auf mögliche Krebsrisiken als wenig bedenklich gilt.

Diesen Wert haben sie hochgerechnet auf einen 60 Kilogramm schweren Erwachsenen und eine tägliche Menge von drei Tassen bzw. sechs Gramm Tee. Produkte, die die maximal empfohlene Tagesdosis an PA überschreiten (in Ökotests Bewertung "stark erhöht"), können im Test bestenfalls "mangelhaft" abschneiden.

Ab 1. Juli 2022 gilt erstmals ein Grenzwert für die Summe bestimmter PA, den Ökotest für diesen Test allerdings noch nicht zugrundegelegt haben. Andernfalls hätten ihn sechs der Teemischungen überschritten.

Woher stammen Rohwaren für Kräuter- und Früchtetees?

Bleibt die Frage, woher die Rohwaren für die Kräuter- und Früchtetees eigentlich stammen. Die Antwort: Aus der ganzen Welt. Ein Drittel wird laut Deutschem Tee & Kräutertee Verband klassisch auf Feldern angebaut, beispielsweise Pfefferminze, Melisse oder Zitronengras. Andere Pflanzenteile, darunter Lindenblüten oder Hagebutten, stammen aus Wildsammlung.

Auch die Kräuterteemischungen im Test sind aus vielen verschiedenen Zutaten zusammengestellt – rekordverdächtige 49 sind es beim Produkt der Dm-Eigenmarke Mivolis.

Einige Anbieter tragen unabhängig kontrollierte Siegel wie Naturland, UTZ, Rainforest Alliance oder Fair for Life. Die leisten in den Erzeugerländern einen Beitrag für bessere Arbeitsbedingungen, faire Preise und stehen zum Teil auch für ökologisch nachhaltige Kriterien beim Anbau.

Kräutertee immer mit kochendem Wasser aufbrühen

Es ist wichtig, dass Kräutertee mit sprudelnd kochendem Wasser aufgebrüht wird. Warum ist das so? Die Rohwaren für Kräutertee stammen großenteils aus Wildsammlungen bzw. kleineren Kulturen aus verschiedenen Regionen der Welt. Um das Aroma und die empfindlichen ätherischen Öle weitgehend zu erhalten, ist es wichtig, die Blätter, Blüten und anderen Pflanzenteile schonend zu ernten und zu trocknen.

Dadurch weisen die Naturprodukte jedoch eine im Vergleich zu anderen Lebensmitteln höhere Anzahl von Mikroorganismen auf. Trotz sorgfältiger Verarbeitung und Kontrollen können die Anbieter nicht ausschließen, dass sich in Einzelfällen auch unerwünschte Keime in den Tees wiederfinden.

Da sie bei Temperaturen von 100 Grad sicher abgetötet werden, sollte man Kräuter- und auch Früchtetee immer mit sprudelnd kochendem Wasser aufbrühen. Bei Schwarz- und Grüntees ist das nicht unbedingt notwendig, da die ohnehin einige Verarbeitungsschritte bei über 100 Grad durchlaufen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail findest Du im ePaper.

Oekotest Logo 2

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

Codecheck.info
5/5 1 Stimme

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

[final] Biofach 2024
Produkte für dich entdeckt –
[final] Öko-Test Orangensaft 100
Orangensaft im „Öko-Test“ –
[final] Öko-Test Gesichtscremes 90
Gesichtscremes im „Öko-Test“ –

Anzeige

[final] Headerbild

Natürliche Lippenpflege in der kalten Jahreszeit

Im Winter werden die Lippen durch starke Temperaturschwankungen und trockene Luft besonders beansprucht. Mit einer reichhaltigen Lippenpflege kannst du spröden Lippen jedoch gut vorbeugen: Mit natürlichen Inhaltsstoffen, einer nachhaltigen Philosophie und ausgezeichnet mit dem 100-prozentigen Green Label von CodeCheck bringt dich die Lippenpflege von OYESS zart und geschmeidig durch den Winter.

Feste Duschen im „Öko-Test“

[final] Öko-Test Feste Duschen

Gute Alternativen zu herkömmlichem Duschgel

Kompakt, ergiebig und plastikfrei – immer mehr Hersteller kommen mit festen Duschen auf den Markt. Die Waschstücke werden auch gern gekauft, denn sie sind eine gute Alternative zum herkömmlichen Duschgel. Das kann „Öko-Test“ weitestgehend bestätigen. Im Test waren 30 feste Duschgele, konventionelle und zertifizierte naturkosmetische Produkte. Das erfreuliche Ergebnis: Knapp über zwei Drittel der festen Duschgele sind mit Bestnote empfehlenswert. Nur wenige Inhaltsstoffe sind bedenklich.

Sicher schminken

[final] Kinderkosmetik

Gefährliche Inhaltsstoffe in Kinderkosmetik erkennen

Prinzessin, Löwe, Ritter oder Clown: In der Faschingszeit stehen Glitzerpuder, Lipgloss und spezielle Schminksets bei Kindern besonders hoch im Kurs. Mit ein bisschen Farbe auf Gesicht und Nägeln verwandeln sie sich im Nu in bunte Fantasiegestalten. Doch ist diese Kosmetik überhaupt für Kinder geeignet? Wie sicher sind die Inhaltsstoffe? Wir haben Herrn Dr. Urs Hauri, Experte für Inhaltsstoffe in Kosmetik und stellvertretender Leiter Chromatographie des Schweizer Kantonalen Laboratoriums Basel-Stadt, zum Thema befragt.

Produkte im CodeCheck

[final] Grünes Peeling

Diese Peelings sind frei von schädlichen Inhaltsstoffen

Mit einem Gesichts- oder Körperpeeling entfernst du abgestorbene Hautschüppchen und sorgst für ein feines Hautbild. Für den nötigen Abrieb haben Hersteller über lange Zeit kleine Kunststoffpartikel als Schleifkörper verwendet. Seit Oktober 2023 sind diese problematischen Stoffe in Peelings glücklicherweise verboten.

Pflanzliche Ernährung

[final] Veganuary 80

Veganuary: Mit veganer Challenge das Jahr beginnen

Mehr Sport! Weniger Medienkonsum! Gesündere Ernährung! Viele nutzen den Jahreswechsel für das Umsetzen guter Vorsätze – und immer mehr Menschen schließen sich dabei der Initiative „Veganuary“ an, verzichten im Januar auf tierische Lebensmittel und ernähren sich rein pflanzlich. Was hinter der Challenge steckt, was sie bewirkt und wie du Teil davon werden kannst, verraten wir dir hier.