Neue Forschungsmethoden, um Tierversuche zu ersetzen

Tag zur Abschaffung der Tierversuche‎

Neue Forschungsmethoden, um Tierversuche zu ersetzen - Tag zur Abschaffung der Tierversuche‎

Hase Rabbit

von

Am 24. April ist Internationaler Tag zur Abschaffung von Tierversuchen. Auch in Deutschland werden jährlich an fast drei Millionen Tieren Versuche durchgeführt, die für Forschungszwecke bislang unverzichtbar sind. Forscher arbeiten jedoch bereits mit Erfolg an Alternativen – wir stellen Dir einige vor.

Tierversuche: Fluch oder Segen?

Tierschutz wird in Deutschland sehr groß geschrieben und ist sogar im Grundgesetz verankert. Keinem Tier darf ohne Grund Schmerz, Leid oder Schaden zugefügt werden – auch nicht im Rahmen von Tierversuchen.

Trotzdem werden immer noch Versuche an Tieren durchgeführt. Grund dafür ist, dass das Versuchstier als Modellorganismus in einigen Bereichen bislang unverzichtbar ist. Dazu zählen unter anderem Forschungen zu Krankheiten, die den ganzen Körper betreffen, wie zum Beispiel Krebs.

Tierversuche geben dabei wichtige Informationen darüber:

  • ob und wie Medikamente wirken und
  • ob einzelne Chemikalien für den Menschen giftig sind.

tierversuche-hase-labor-124776448 Kopie

Tierversuche sind besonders streng geregelt

Tierversuchen sind in Deutschland rechtlich enge Grenzen gesetzt. Der Umgang mit Tieren ist im Versuchsbereich deutlich strenger geregelt, als zum Beispiel in der Landwirtschaft oder im häuslichen Umfeld.

Jeder Tierversuch muss genehmigt werden. Außerdem gilt er nur dann als ethisch vertretbar, wenn er auf das nötige Maß beschränkt bleibt. So sind zum Beispiel Pharmaunternehmen bei der Wirkstoffprüfung dazu verpflichtet, Tierversuche zu vermeiden, wenn es geeignete Alternativmethoden gibt.

Kosmetische Endprodukte wie Körperpflege und Make-up dürfen in Deutschland seit 1998 generell nicht mehr an Tieren getestet werden. Ebenso sind Versuche mit Menschenaffen hierzulande seit 1991 nicht mehr erlaubt.

Staatlich geförderte Forschungsprojekte

Der Schutz des Tieres auf der einen und das Sicherheitsbedürfnis und Erkenntnisstreben des Menschen auf der anderen Seite – daraus ergibt sich ein Dilemma, wie das „Bundesministerium für Bildung und Forschung“ (BMBF) schreibt.

Deshalb unterstützt das „BMBF“ seit 1980 Wissenschaftler, die Methoden zum Ersatz von Tierversuchen entwickeln. Bislang wurden rund 600 Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt mehr als 190 Millionen Euro finanziert.

Die geförderten Vorhaben basieren auf dem sogenannten „3R“-Konzept:

1. Replacement – Ersatz

Oberstes Ziel ist es, Tierversuche komplett durch alternative Methoden zu ersetzen.

2. Reduction – Verringerung

Ist ein vollständiger Verzicht auf Tierversuche in einem Bereich noch nicht möglich, soll zumindest die Zahl der Versuchstiere auf ein Minimum beschränkt werden.

3. Refinement – Verfeinerung

Das Leiden der eingesetzten Tiere soll so weit wie möglich verringert werden. Ebenso versuchen die Forscher, aus dem einzelnen Tierversuch so viele Informationen wie möglich zu gewinnen.

Forschungsergebnisse für mehr Tierwohl

Die Forscher konnten bereits einige effiziente Ersatzmethoden für Tierversuche entwickeln. Dazu gehören unter anderem:

  • Zellkulturverfahren,
  • Computersimulationen,
  • bildgebende Verfahren wie Kernspintomografie oder Ultraschall
  • und Biochips.

Wir erklären Dir drei besonders relevante Alternativmethoden zu Tierversuchen.

1. Zellkulturverfahren

Sogenannte Zellkulturverfahren haben mittlerweile einen festen Platz als alternative Methode für Tierversuche. Dabei werden menschliche oder tierische Zellen im Labor so kultiviert, dass sie möglichst ähnlich wie im Körper funktionieren.

Mithilfe von dreidimensional wachsenden Zellkulturen können komplexe Strukturen wie lebendes Gewebe bis hin zu kompletten Organen nachgebaut werden.

Die Forschungen an den künstlichen Zellen gelingen zum Teil sogar besser als in Versuchen bei lebenden Tieren, weil sie flexibler, genauer und besser reproduzierbar sind.

So wurde bereits erfolgreich eine künstliche „menschliche“ Haut entwickelt, auf der die Wirkung von Arzneimitteln oder Chemikalien laut Experten verlässlicher getestet werden kann, als auf der Haut lebender Tiere.

2. Bildgebende Verfahren

Mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall und Kernspintomografie können zum einen krankhafte Veränderungen eines Organs beobachtet werden. Zum anderen ermöglichen sie Einblicke, wie Substanzen von Organen aufgenommen werden und dort wirken.

So helfen bildgebende Verfahren bei der Risikobewertung und Sicherheitsprüfung von Medikamenten und chemischen Substanzen sowie bei der Erforschung von Behandlungsmethoden, für die sonst Tierversuche zum Einsatz kommen.

Vor allem in Kombination mit Zellkulturverfahren haben bildgebende Verfahren eine sehr hohe wissenschaftliche Genauigkeit und Sicherheit.

3. Biochips

Ein neuerer Forschungsansatz versucht, die verschiedenen Organsysteme des menschlichen Körpers auf sogenannten Mikro- oder Biochips nachzubilden und miteinander zu vernetzen.

Dafür werden auf einem nur wenige Zentimeter großen Mikrochip Kammern angebracht, die mit lebenden Zellen ausgekleidet sind und so Organe im Kleinformat nachbilden. Die Zellen stammen aus medizinisch notwendigen Operationen bei Menschen.

Anhand der Biochips kann unter anderem überprüft werden, ob durch ein Medikament giftige Abbauprodukte oder schädliche Nebenwirkungen entstehen. Auch Krankheiten und mögliche Therapiemöglichkeiten können so erforscht werden.

Mit Biochips lassen sich dank automatisierter Abläufe große Mengen an Substanzen in kürzester Zeit messen. Darüber hinaus sind sie zuverlässig und preisgünstig.

Weiterführende Links:

- Bundesministerium für Bildung und Forschung: Alternativen zum Tierversuch

- MDR Wissen: Tierversuche und ihre Alternativen

- NDR: Tierversuche: „Ganz ohne geht es nicht“

- Blog: Say no to cruelty!

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

0/5 0 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

[final] Nachhaltige Weihnachtszeit 90
Bewusster Konsum –
[final] Kerzen 90
Grüne Inhaltsstoffe –
[final] Tierwohl-Siegel 80
Mehr Tierwohl oder Täuschung? –

Anzeige

[final] Headerbild

Natürliche Lippenpflege in der kalten Jahreszeit

Im Winter werden die Lippen durch starke Temperaturschwankungen und trockene Luft besonders beansprucht. Mit einer reichhaltigen Lippenpflege kannst du spröden Lippen jedoch gut vorbeugen: Mit natürlichen Inhaltsstoffen, einer nachhaltigen Philosophie und ausgezeichnet mit dem 100-prozentigen Green Label von CodeCheck bringt dich die Lippenpflege von OYESS zart und geschmeidig durch den Winter.

Produkte für dich entdeckt

[final] Biofach 2024

Neues von der BIOFACH 2024

Vom 13. bis 16. Februar 2024 fand bereits zum 35. Mal die BIOFACH, die weltweit größte Messe für Biolebensmittel, in Nürnberg statt. Bei diesem Treffpunkt der Bio-Community dreht sich alles rund um die Themen Biolebensmittel, Biogetränke und ökologische Non-Food-Produkte.

Feste Duschen im „Öko-Test“

[final] Öko-Test Feste Duschen

Gute Alternativen zu herkömmlichem Duschgel

Kompakt, ergiebig und plastikfrei – immer mehr Hersteller kommen mit festen Duschen auf den Markt. Die Waschstücke werden auch gern gekauft, denn sie sind eine gute Alternative zum herkömmlichen Duschgel. Das kann „Öko-Test“ weitestgehend bestätigen. Im Test waren 30 feste Duschgele, konventionelle und zertifizierte naturkosmetische Produkte. Das erfreuliche Ergebnis: Knapp über zwei Drittel der festen Duschgele sind mit Bestnote empfehlenswert. Nur wenige Inhaltsstoffe sind bedenklich.

Sicher schminken

[final] Kinderkosmetik

Gefährliche Inhaltsstoffe in Kinderkosmetik erkennen

Prinzessin, Löwe, Ritter oder Clown: In der Faschingszeit stehen Glitzerpuder, Lipgloss und spezielle Schminksets bei Kindern besonders hoch im Kurs. Mit ein bisschen Farbe auf Gesicht und Nägeln verwandeln sie sich im Nu in bunte Fantasiegestalten. Doch ist diese Kosmetik überhaupt für Kinder geeignet? Wie sicher sind die Inhaltsstoffe? Wir haben Herrn Dr. Urs Hauri, Experte für Inhaltsstoffe in Kosmetik und stellvertretender Leiter Chromatographie des Schweizer Kantonalen Laboratoriums Basel-Stadt, zum Thema befragt.

Orangensaft im „Öko-Test“

[final] Öko-Test Orangensaft 100

Oh, oh, Orangensaft ...

„Öko-Test“ wollte wissen, ob Orangensaft, der derzeit wie andere Lebensmittel immer teurer wird, sein Geld wenigstens wert ist. Das Urteil ist nicht eindeutig. Zwar stimme die Qualität meistens, sagen die Tester:innen, aber die Arbeitsbedingungen auf den Orangenplantagen stellen sie nicht überall zufrieden. 19 Produkte standen auf dem Prüfstand, nur ein fair gehandelter Discountersaft schneidet „sehr gut“ ab.