Halten Supermärkte ihr Nachhaltigkeitsversprechen?

Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts klärt auf

Halten Supermärkte ihr Nachhaltigkeitsversprechen? - Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts klärt auf

[final] Tim Mossholder / Pexels 75
Pexels

von

Immer mehr Verbraucher:innen legen nicht nur Wert auf eine gesunde Ernährung, sondern auch auf Nachhaltigkeit. Diese betrifft die Erzeugung, die Verarbeitung und den Vertrieb von Lebensmitteln sowie anderen Produkten des täglichen Bedarfs. Dass Du im Supermarkt diesbezüglich immer die richtige Wahl triffst, ist allerdings nicht einfach. Häufig fehlt die Transparenz zu nachhaltigen Themen wie Klimaschutz, Umweltschutz und fairem Handel. Das Umweltbundesamt hat die Nachhaltigkeit deutscher Supermärkte genauer beleuchtet.

„Wie nachhaltig sind die deutschen Supermärkte?“ hat sich das Umweltbundesamt im Jahr 2022 konkret gefragt und das „Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL)“ mit der Untersuchung und Bewertung von acht großen Einzelhandelsketten beauftragt. Wir haben uns die Studie angesehen und stellen sie Dir vor.

Kurz und knapp – Die Studie des Umweltbundesamts

Die Forscher:innen sahen sich das Thema „Nachhaltigkeit“ in den Bereichen der Lieferketten, an den jeweiligen Standorten und beim Konsum an. Folgende Lebensmittelläden standen beispielhaft im Fokus:

  • Aldi Nord
  • Aldi Süd
  • Edeka
  • Kaufland
  • Lidl
  • Netto Markendiscount
  • Penny
  • Rewe

Dabei kommt das Projektteam zum Schluss, dass die untersuchten Unternehmen zwar in einzelnen Bereichen ein gutes Nachhaltigkeitsengagement zeigen, die Bemühungen aber insgesamt noch unzureichend sind. Vor allem bei der Gestaltung des Warensortiments und der Sensibilisierung der Kund:innen für nachhaltige Themen sehen die Forscher:innen noch viel Luft nach oben. Außerdem fehlt es bisher an Transparenz hinsichtlich der Nachhaltigkeitsziele und deren Umsetzung.

Die Forscher:innen sehen allerdings die Supermärkte nicht allein in der Pflicht. Auch die Politik ist mit dem Schaffen von Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Verkaufsverboten für umweltschädliche Produkte und Formulierung von Mindeststandards beim Einkauf von Rohwaren gefordert.

Was tut der Einzelhandel für Nachhaltigkeit?

Vor allem im Bereich der Kommunikation schneiden die großen Supermärkte bereits recht gut ab, statuieren die Verfasser der Umweltbundesamtstudie. Insbesondere bezieht sich diese Bewertung auf Umweltkampagnen und Maßnahmen, mit denen Verbraucher:innen zum Nachdenken über Nachhaltigkeit und das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung angeregt werden.

Darüber hinaus hat das Angebot an Bio-Lebensmitteln stark zugenommen und es werden mehr Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln angeboten. Was das Tierwohl angeht, hat zumindest Aldi angekündigt, bis 2030 ausschließlich Frischfleisch der Haltungsformen 3 und 4 anzubieten. Das Fleisch stammt dann von Tieren, welche entweder durch einen offenen Stall Außenluftkontakt oder tatsächlich einen Auslauf im Freien haben. Beanstandet wird dennoch, dass viel mehr Werbung für umweltschädliche, tierische Produkte gemacht wird als für die nachhaltigen Alternativen.

Trotz aller Bemühungen gibt es auch bei der Gestaltung des Sortiments noch Schwachstellen. Hier kann der Lebensmitteleinzelhandel noch mehr auf den Einkauf von nachhaltigen Produkten achten. Diese sollten zudem in den Ladengeschäften so platziert werden, dass Kund:innen der Griff zu nachhaltig und umweltfreundlich produzierten Waren erleichtert wird. Am besten wäre es natürlich, wenn auf den Verkauf von umweltschädlichen Produkten, also zum Beispiel Produkten mit langen Importwegen, gänzlich verzichtet würde. Außerdem sollten die Unternehmen wesentlich mehr Transparenz als bisher zum Überprüfen ihres Nachhaltigkeitsmanagements und ihrer Ziele zeigen und Eigenmarken zu Wegbereitern in puncto Nachhaltigkeit entwickeln.

Die Aufgaben der Politik

Aufgrund der Nachhaltigkeitsstudie sprechen das Umweltbundesamt und die Forscher:innen auch für die Politik wichtige Empfehlungen aus. Ernährungspolitik sollte demzufolge zukünftig ein ganzheitlicher Bereich werden und nicht mehr am Rande in verschiedenen Politikfeldern behandelt werden. Auch gesetzliche Vorgaben, regelnde Maßnahmen und finanzielle Anreize können die Schritte in Richtung mehr Nachhaltigkeit beschleunigen. Als Beispiele werden genannt:

  • Die Politik verpflichtet die Unternehmen zum Definieren deutlicher Umweltziele.
  • Das Bewerben von Produkten, die durch lange Transportwege und insbesondere Flüge umweltschädlich sind, wird reguliert.
  • Es werden klare Regeln für die Platzierung der Produkte in den Ladengeschäften aufgestellt, die Kund:innen zwanglos zum Kauf umweltfreundlicher Produkte führen.

Die Macht der Kundschaft

Kund:innen stimmten im Supermarkt nicht mit den Füßen ab, sondern mit ihrem Geldbeutel. Heißt, sie bestimmen, welche Waren im Regal liegenbleiben und welche gekauft werden. Der Einfluss auf die Gestaltung des Sortiments durch Konsument:innen ist deshalb nicht gering, zumal es durchaus Wahlmöglichkeiten gibt:

  • Mehrwegflaschen sind besser für die Umwelt als Einwegflaschen, wobei Mehrwegflaschen aus Kunststoff durch das geringere Transportgewicht eine bessere Ökobilanz haben als Glasflaschen. Richtig recycelt, sind sie aber langfristig gesünder und nachhaltiger.
  • Beim Kauf an der Frischetheke werden Kunststoffverpackungen gespart, welche sich nicht recyceln lassen, wenn sie aus verschiedenen Kunststoffen bestehen.
  • Weniger Fleisch zu kaufen, bedeutet nachhaltiger zu kaufen, denn die Erzeugung tierischer Lebensmittel ist ressourcenintensiver als die der meisten Obst- und Gemüsesorten.
  • Produkte aus der Region verursachen durch kürzere Transportwege geringere CO2-Emissionen.
  • Fleisch und Milch aus Weidehaltung haben eine bessere Ökobilanz als Produkte aus konventioneller Erzeugung.

Doch selbst wenn unser Kaufverhalten die Angebotsvielfalt in den Supermärkten beeinflussen kann, steht der Handel in der Pflicht, Nachhaltigkeitsziele zu planen und einzuhalten.

Nachhaltiger Einkauf mit CodeCheck

Wir von CodeCheck würden es begrüßen, wenn der Lebensmitteleinzelhandel zur Schaffung und Einhaltung von Nachhaltigkeitszielen verpflichtet würde und die Politik den Rahmen für Nachhaltigkeitsleistungen mit verschiedenen Maßnahmen und Standards schaffte. Unter anderem gehört dazu ein Umdenken bei der Preisgestaltung. Produkte, deren Erzeugung und Handel massive Umweltschäden verursachen, dürfen nicht mehr preiswerter sein als nachhaltig produzierte Waren.

Mit CodeCheck kannst Du schon heute nachhaltige Produkte einfach erkennen. Wir zeigen Dir zum Beispiel Palmöl in Lebensmitteln an, helfen Dir, gesunde Produkte mit Hilfe der Nährstoffampel zu entdecken, und informieren Dich mit dem Klima Score über Produkte mit niedrigem CO2-Fußabdruck. Scanne den Strichcode eines Produkts und vergewissere Dich mit unserer App, dass Du auch tatsächlich bewusster einkaufst.

Quellen

Weiterführende Links

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

0/5 0 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

[final] Nachhaltige Weihnachtszeit 90
Bewusster Konsum –
[final] Polina Zimmermann / Pexels 80
Flüssigseifen im „Öko-Test“ –
[final] KOUS9 STUDIO / Unsplash
Nachhaltigkeit oder Greenwashing? –

Anzeige

[final] Headerbild

Natürliche Lippenpflege in der kalten Jahreszeit

Im Winter werden die Lippen durch starke Temperaturschwankungen und trockene Luft besonders beansprucht. Mit einer reichhaltigen Lippenpflege kannst du spröden Lippen jedoch gut vorbeugen: Mit natürlichen Inhaltsstoffen, einer nachhaltigen Philosophie und ausgezeichnet mit dem 100-prozentigen Green Label von CodeCheck bringt dich die Lippenpflege von OYESS zart und geschmeidig durch den Winter.

Produkte für dich entdeckt

[final] Biofach 2024

Neues von der BIOFACH 2024

Vom 13. bis 16. Februar 2024 fand bereits zum 35. Mal die BIOFACH, die weltweit größte Messe für Biolebensmittel, in Nürnberg statt. Bei diesem Treffpunkt der Bio-Community dreht sich alles rund um die Themen Biolebensmittel, Biogetränke und ökologische Non-Food-Produkte.

Feste Duschen im „Öko-Test“

[final] Öko-Test Feste Duschen

Gute Alternativen zu herkömmlichem Duschgel

Kompakt, ergiebig und plastikfrei – immer mehr Hersteller kommen mit festen Duschen auf den Markt. Die Waschstücke werden auch gern gekauft, denn sie sind eine gute Alternative zum herkömmlichen Duschgel. Das kann „Öko-Test“ weitestgehend bestätigen. Im Test waren 30 feste Duschgele, konventionelle und zertifizierte naturkosmetische Produkte. Das erfreuliche Ergebnis: Knapp über zwei Drittel der festen Duschgele sind mit Bestnote empfehlenswert. Nur wenige Inhaltsstoffe sind bedenklich.

Sicher schminken

[final] Kinderkosmetik

Gefährliche Inhaltsstoffe in Kinderkosmetik erkennen

Prinzessin, Löwe, Ritter oder Clown: In der Faschingszeit stehen Glitzerpuder, Lipgloss und spezielle Schminksets bei Kindern besonders hoch im Kurs. Mit ein bisschen Farbe auf Gesicht und Nägeln verwandeln sie sich im Nu in bunte Fantasiegestalten. Doch ist diese Kosmetik überhaupt für Kinder geeignet? Wie sicher sind die Inhaltsstoffe? Wir haben Herrn Dr. Urs Hauri, Experte für Inhaltsstoffe in Kosmetik und stellvertretender Leiter Chromatographie des Schweizer Kantonalen Laboratoriums Basel-Stadt, zum Thema befragt.

Orangensaft im „Öko-Test“

[final] Öko-Test Orangensaft 100

Oh, oh, Orangensaft ...

„Öko-Test“ wollte wissen, ob Orangensaft, der derzeit wie andere Lebensmittel immer teurer wird, sein Geld wenigstens wert ist. Das Urteil ist nicht eindeutig. Zwar stimme die Qualität meistens, sagen die Tester:innen, aber die Arbeitsbedingungen auf den Orangenplantagen stellen sie nicht überall zufrieden. 19 Produkte standen auf dem Prüfstand, nur ein fair gehandelter Discountersaft schneidet „sehr gut“ ab.