Warum wir ein Klima-Label für Lebensmittel brauchen

Interview mit Dr. Ruta Almedom und Manuel Klarmann

Warum wir ein Klima-Label für Lebensmittel brauchen - Interview mit Dr. Ruta Almedom und Manuel Klarmann

Klima Score
CodeCheck

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Bei CodeCheck beginnt Klimaschutz ab sofort schon auf Deinem Teller: zusammen mit der Firma „Eaternity“ haben wir den Klima Score in der App verfügbar gemacht und zeigen euch mit einem Scan an, wie klimafreundlich ein Lebensmittel ist. Hier sprechen wir mit CodeChecks wissenschaflicher Leiterin Dr. Ruta Almedom und dem „Eaternity“-Gründer und Mathematiker Manuel Klarmann darüber, wie klimafreundliche Ernährung funktionieren kann.

Warum ist es für jeden von uns wichtig, sich über die Klimabilanz unserer Lebensmittel bewusst zu werden?

Dr. Ruta Almedom: Ein nachhaltigerer Konsum, insbesondere in der westlichen Welt, ist der Schlüssel, um langfristig positive Auswirkungen auf das globale Klima zu erzielen. Allein in Europa ist jeder Mensch für 8,4 Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr verantwortlich. 30 Prozent davon werden allein durch die Art und Weise verursacht, wie wir essen. Die Emissionen der Produkte, die wir täglich kaufen und essen, hat einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt: angefangen bei den Materialien, die bei ihrer Herstellung verwendet werden, bis hin zu den Abfällen, die sie erzeugen.

Der schrittweise Verzicht auf Produkte, die übermäßige Energie- oder Wasserressourcen verbrauchen oder Inhaltsstoffe enthalten, die für unsere Umwelt oder Gesundheit problematisch sind, ist ein wichtiger Schritt zur Verringerung unserer Kohlenstoffemissionen und zur Entwicklung hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Denn wenn unsere Gesellschaft langfristig nachhaltig sein soll, müssen Produkte, die die geringste Umweltbelastung verursachen, in allen Kategorien zum akzeptierten Standard werden.

Dr. Ruta Almedom

Dr. Ruta Almedom ist spezialisiert auf Neurobiologie, Molekularbiologie und Biochemie und promovierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Bei CodeCheck leitet sie die wissenschaftliche Abteilung.

Die CodeCheck-App hat die Berechnungen von Eaternity für den Klima-Score einzelner Lebensmittel nun in die App integriert. Wie wird diese Klima-Score genau berechnet? (Manuel)

Manuel Klarmann: Im Wesentlichen machen wir folgendes: Wir schätzen für die einzelnen Produkte die Rezepturen ab (d.h. die Menge in Gramm pro Zutat). Dies geschieht basierend auf den Informationen die für die Produkte in der CodeCheck Datenbank abgespeichert sind.

Jeder Zutat ordnen wir den entsprechenden Lebensmittel CO₂-Wert zu. Mit in der Berechnung der Lebensmittel sind Inventardaten aus sogenannten Ökobilanzdatenbanken bzw. Life-Cycle-Assessment-Datenbanken (LCA-Datenbanken), aber auch pauschal Transport-Wege mit einberechnet.

Am Schluss berechnen wir die Summe der CO₂-Werte der Zutaten für das Produkt. Und Berechnen noch eine Bewertung für das jeweilige Produkt (im Verhältnis zum Durchschnitt).

Nahrungsmittel werden ja zunächst angebaut, dann geerntet, transportiert, gelagert und dann oft noch weiterverarbeitet, bis sie schließlich im Verkauf landen. Bezieht ihr all diese Schritte mit in die Berechnung ein?

Manuel Klarmann: Leider können wir bisher nur Informationen mit einbeziehen, welche wir auch ermitteln oder abschätzen können. In den Inventardaten sind tatsächlich der Anbau, die Ernte, die Infrastruktur, etc. als Durchschnittswerte mit dabei - sowie wir auch Transportwege aufgrund einer Abschätzung die Herkünfte mit einberechnen können. Noch nicht mit dabei ist die Fertigung selbst, sowie die Verpackung des Produkts.

Welcher dieser Schritte verursacht das meiste CO₂? Der Transport oder doch die Verarbeitung? (Manuel)

Manuel Klarmann: Ganz klar sind landwirtschaftlichen Prozesse hier dominant. Das ist die Abholzung der Regenwälder, die Methangase der Wiederkäuer sowie die Anwendung von Düngemitteln. Kurz gesagt: Die Wahl der Zutaten und deren Menge dominieren jede Lebensmittel-Ökobilanz.

Können generelle Aussagen darüber getroffen werden, wie man als Verbraucher klimaschädliche Lebensmittel erkennt?

Dr. Ruta Almedom: Es gibt verschiedene Möglichkeiten CO₂ durch unsere Ernährung einzusparen: Zum Einen durch die Wahl klimafreundlicher Lebensmittel, zum Anderen bei der Zubereitung und der Entsorgung.

Generell verursachen tierische Produkte höhere Emissionen als pflanzliche. Bei pflanzlichen Produkten ist davon auszugehen, dass Sie für mehr Emissionen verantwortlich sind, je weiter der Weg zwischen Anbauort und Verkaufsort ist. Dabei gibt es natürlich auch Südfrüchte, welche in Gewächshäusern Europas angebaut werden. Unser Klima Score kann diese Ausnahmen bisher leider noch nicht abbilden, aber wir sind gemeinsam mit Eaternity dran und werdenden den Klima Score mit eurer Hilfe immer weiter verbessern. Nach dem Scan hilft ein zusätzlicher Blick auf die Verpackung. Denn manche (bisher leider wenige) Hersteller deklarieren den Anbauort der Zutaten.

lebensmittel-müll-frankreich-158945054 KopieEiner WWF-Analyse zufolge verschwenden wir in Deutschland im Jahr rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel, 10 Millionen davon wären bereits heute vermeidbar.

Wie sieht es mit veganen Alternativen aus. Ist ein veganes Burger Patty mit Palmöl klimafreundlicher als eines aus Bio-Rindfleisch? (Manuel)

Manuel Klarmann: Mir ist jetzt gerade nicht bekannt, welches vegane Burger Patty Palmöl enthält, aber im Schnitt sind die veganen Ersatzprodukte fast 10mal besser als das „Original“ mit Rindfleisch. Unabhängig davon, wo dieses jetzt gefertigt wurde und von wie weit her es kommt. Das liegt daran, dass Waldrodung bisher noch nicht in die Emissionen, die beispielsweise Palmöl verursacht, eingerechnet wird. Stattdessen spielen bisher nur Emissionen in Zusammenhang mit Anbau, Anbauort und Transport eine Rolle.

Und wie steht es um Milch? Ist Mandel- Hafer- oder doch Sojamilch die klimafreundliche Antwort auf die klassische Kuhmilch?

Manuel Klarmann: Ja. Ganz klar. Und im Detail kann man sich das auch prima in der App nachschauen ob Hafer, Soja oder Mandel hier am besten abschneidet. Es ist tatsächlich nicht ganz so wie man denkt.

Wie genau hilft CodeCheck uns mit dem neuen Feature dabei, klimafreundliche Lebensmittel zu erkennen?

Dr. Ruta Almedom: Wir hören immer wieder von der CodeCheck Community, dass sie aktiv klimafreundlich leben: sie meiden Mikroplastik oder Palmöl, nutzen öffentliche Verkehrsmittel, fliegen nicht oder kompensieren ihre Flüge. Viele wollen sich gerne auch klimafreundlich ernähren. Und ihnen ist bewusst, welchen Einfluss unser klima-unverträgliches Konsumverhalten hat und möchten es umkehren. Dafür wünschen sich unsere User jedoch, besser informiert und unterstützt zu werden. Wir haben euch zugehört und lange gesucht, bis wir eine gute Lösung gefunden haben. Mit unserem Partner “Eaternity” zeigen wir nun erstmals mit nur einem Scan an, welches Lebensmittel klimafreundlich ist und helfen euch schnell die richtige Wahl zu treffen.

Denn nur wenn sich unser Kaufverhalten ändert, werden wir in der Lage sein auch Einfluss auf die Produktion und die Politik zu nehmen und so unseren Beitrag leisten, die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Was würdet ihr euch für die Zukunft unserer Ernährung wünschen?

Manuel Klarmann: Wir brauchen eine flächendeckende CO₂-Transparenz aller Lebensmittel um in den kommenden Jahren 50 Prozent der Emissionen hier einzusparen. Da müssen alle mitmachen.

Dr. Ruta Almedom: Mehr Engagement und Bereitstellung finanzieller Mittel von Seiten der Politik. Denn nur so kann die Arbeit geleistet werden, die notwendig ist ein einheitliches Framework zu schaffen, auf dessen Basis sich ein übergreifendes Bewertungs- und Vergleichssystem erarbeiten lässt. Und bis es soweit ist, machen CodeCheck & Eaternity den ersten Schritt und bieten Hilfestellung und Orientierung beim klimabewussten Einkauf!

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