Über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Klima und Umwelt

CO2-Reduktion

Über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Klima und Umwelt - CO2-Reduktion

Venedig
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Die Natur atmet auf. Während die Welt rund um den Globus still steht und wir lernen, uns zuhause beschäftigen zu müssen, befindet sich unsere Umwelt in einer Phase der Erholung. Zahlreiche positive Effekte, wie geringere CO2-Emissionen in China oder klares Wasser in Venedigs Kanälen, zeigen sich schon jetzt, nach nur wenigen Wochen. Doch der Schein trügt.

Flughäfen werden geschlossen, Kreuzfahrtschiffe liegen in den Häfen vor Anker, Fabriken haben ihre Produktion eingestellt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind drastisch, und viele gesellschaftliche Bereiche leiden darunter – von den Einzelschicksalen ganz abgesehen. Und auch die Wirtschaft hat mit deutlichen Einbußen zu kämpfen. Eine Rezession als Folge der Krise wird vermutet. Doch es gibt einen Gewinner - zumindest kurzfristig gesehen: unsere Umwelt.

CO2-Emissionen sind bereits deutlich gesunken

Wie Satellitenaufnahmen der „NASA“ (US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft) zeigen, sind die Stickstoffemissionen in China und Italien bereits deutlich zurückgegangen. Im Februar waren es in China ungefähr 200 Megatonnen weniger, was einem Viertel der dortigen Emissionen pro Monat entspricht. Ein besonders positiver Effekt, denn China trägt mehr zur globalen Erwärmung bei als jedes andere Land der Erde.

Der weltweite Flugverkehr hat im Februar verglichen mit dem letzten Jahr um 4,3 Prozent abgenommen. Die „Internationale Energieagentur“ (IEA) und die „OPEC-Staaten“ (Organisation erdölexportierender Länder) prognostizieren, dass die globale Nachfrage nach Erdöl im laufenden Jahr um bis zu 0,7 Prozent schrumpfen könnte. Für das Klima ein noch bedeutenderer Faktor, da die Erdölförderung und die erdölverarbeitende Industrie einen hohen Anteil an der Erwärmung haben.

Weniger Touristen verschmutzen die Umwelt

Die Einwohner von Venedig freuen sich seit Jahren wieder über klares Wasser in den Kanälen. Seit die Touristenmassen der Kreuzfahrtschiffe nicht mehr die engen Gassen bevölkern, sind nun wieder zahlreiche Fische im Wasser zu sehen und sogar Schwäne kehren zurück. Zudem hat sich die Luftqualität nachweislich verbessert. Auf Sardinien wurden in der Hauptstadt Cagliari Delfine gesichtet, nachdem der Schiffsverkehr eingestellt wurde.

Auch an anderen beliebten Orten wird sich die Natur in der Corona-Krise von den Touristenströmen zumindest kurzfristig erholen. Es gelangt weniger Müll in die Umwelt und in unsere Weltmeere, was den dort lebenden Tieren zu Gute kommt.

Deutschland wird Klimaziel in 2020 erreichen

Experten sind sich sicher, dass die Corona-Krise auch in Deutschland positive Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß haben wird. Aufgrund der geringeren Emissionen werden wir unser Klimaschutz-Ziel für 2020 erreichen. Agora-Direktor Patrick Graichen rechnet damit, dass anstelle der angestrebten 40 Prozent sogar 45 Prozent (120 Millionen Tonnen) weniger Emissionen als 1990 erreicht werden.

Allein durch geringere Emissionen im Verkehr könnten sieben bis 25 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente entfallen. Aufgrund der schwachen Nachfrage in energieintensiven Grundstoffindustrien wie Stahl, Chemie und Zement wären es in diesem Bereich zehn bis 25 Millionen Tonnen weniger. Und auch bei der Stromproduktion werden in der Corona-Krise schätzungsweise 30 bis 50 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Positive Effekte werden nicht nachhaltig sein

Dass diese Krise einen strukturellen Wandel, der für den Klimaschutz essenziell ist, bewirken wird, ist fraglich. Stattdessen wird die Wirtschaft nach diesem Ausnahmezustand vermutlich mit viel Energie und Geld wieder in Schwung gebracht. Sobald die Notsituation vorüber ist, werden die Menschen wieder konsumieren, reisen und produzieren, und der günstige Ölpreis wird diese Entwicklung fördern. Der Flugverkehr wird - wie nach vorausgegangenen Krisen - ebenfalls wieder ansteigen - eventuell sogar noch mehr als zuvor.

Ein solcher „Rebound-Effekt“ wurde auch nach der Finanzkrise 2008 beobachtet. Die gesunkenen Emissionen während der Krisen stiegen danach stärker an als zuvor. Es liegt also an uns: Wir müssen jetzt bereits entscheiden, welche Konsequenzen wir aus der Krise ziehen wollen und wie wir sie für die positive Zukunft unseres Planeten umsetzten können. Sonst werden die positiven Effekte verpuffen.

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