„Sehr gutes“, aber auch sehr süßes Vorglühen

Glühweine im „Öko-Test“

„Sehr gutes“, aber auch sehr süßes Vorglühen - Glühweine im „Öko-Test“

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Jetzt in der Vorweihnachtszeit gewinnt der Glühwein für ein paar wenige Wochen im Jahr wieder an großer Bedeutung. „Öko-Test“ hat bereits im September die ersten Glühweine eingekauft und getestet und präsentiert nun in einem Gratistest die Ergebnisse. Schon einmal vorab: Mehr als die Hälfte der getesteten Glühweine sind „gut“ oder „sehr gut“.

  • Die drei Glühweine in Bioqualität schmecken den Tester:innen auch ohne zugesetztes Aroma. Sie weisen keinerlei Pestizidspuren auf und schaffen es ebenso wie der Aldi Nord Premium Glühwein auf die Bestnote „Sehr gut“.
  • Es gibt große Unterschiede beim Zuckergehalt, den Hersteller übrigens nicht auf die Flasche schreiben müssen. Der eine Glühwein enthält 93 Gramm Zucker pro Liter, ein anderer nur 72 Gramm.
  • Die optimale Temperatur für Glühwein ist 60 Grad. Achte darauf, ihn nicht über 70 Grad zu erhitzen und auf keinen Fall zu kochen, denn sonst verändert sich sein Geschmack und der Alkohol verdampft.

Diese Produkt erhielt von „Öko-Test“ die Note „Sehr gut“

Heißer, süßer Rotwein, dazu Gewürzaromen von Nelke, Zimt, Vanille oder Kardamom: Für viele Menschen gehört der Duft von Glühwein zur Adventszeit wie Plätzchen und Kerzenschein. Das süffige Getränk steht nicht nur fürs gesellige Anstoßen mit Freund:innen auf dem Weihnachtsmarkt, sondern versüßt auch gemütliche Winterabende auf dem Sofa. „Öko-Test“ hat sich unter anderem beliebte Bio-Produkte wie den Alnatura Glühwein oder den Heißen Hirsch sowie Glühweine von Winzer:innen, Eigenmarken von Discountern oder das geschützte Markenprodukt Nürnberger Glühwein Christkindles Markt-Glühwein vorgeknöpft. Vier von ihnen schaffen es mit „Sehr gut“ ganz nach oben auf das vorweihnachtliche Siegertreppchen, darunter alle drei Bio-Glühweine und ein konventionelles Produkt von Aldi Nord, der Premium Glühwein. Die schlechteste Note war „Ausreichend“ für Omas Glühweinbude Omas Glühwein. Hier geht’s zum kompletten Test.

Verpackung darf nicht Geschmackskomponente sein

Da es keine gesetzliche Definition für den Geschmack oder Geruch von Glühwein gibt orientierte sich „Öko-Test“ an einer Stellungnahme des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (ALS). Die Verkostung übernahmen geschulte Sensorik-Expert:innen. Diese hatten an drei Glühweinen etwas zu bemängeln. In dem bei Norma eingekauften Weihnachts Glühwein stellten die Sensoriker:innen eine „unsaubere“ Note sowohl im Geruch als auch im Geschmack fest. In Omas Glühweinbude Omas Glühwein der St. Lorenz Weinkellerei, ein Produkt im Verbundkarton, schmeckten sie die Verpackung heraus. Dem Christkindles Markt-Glühwein attestierten die Prüfer:innen, dass er insgesamt „wenig nach Gewürzen“ rieche, dafür aber mit einer „signifikanten Vanillinnote“ im Geruch auffalle.

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Aromastoff Vanillin gibt Punktabzug

Im Christkindles Markt-Glühwein maß das von „Öko-Test“ beauftragte Spezial-Labor den mit Abstand höchsten Gehalt an Vanillin unter den getesteten neun Produkten, die Eingang in das gedruckte Heft gefunden hatten. Auch bei Omas Glühwein und dem Weihnachts Glühwein von Norma war der Vanillin-Gehalt erhöht. Das Labor ist sich sicher: „Diese Vanillin-Gehalte sind auf eine Aromatisierung mit Vanillin zurückzuführen“.

Vanillin ist ein Aromastoff, der natürlicherweise neben anderen Begleitkomponenten in der echten Vanilleschote vorkommt. Dort sorgt er als Hauptaromastoff maßgeblich für ihren charakteristischen Geschmack sorgt. Vanillin lässt sich aber auch synthetisch oder biotechnologisch erzeugen. Von den drei betroffenen Weinen enthielt keine Probe ein nachweisbares authentisches Vanille-Aromaspektrum, was gesetzlich kein Problem ist. Dennoch zieht „Öko-Test“ dafür eine Note ab, weil in den Augen der Redakteur:innen Lebensmittel, die mit hochwertigen natürlichen Zutaten und Gewürzen geschmacklich überzeugen, eine höhere Qualität haben.

Dieses Produkt erhielt von „Öko-Test“ die Note „Ausreichend“

Nur sehr wenige Hersteller deklarieren ehrlich

Auf den meisten Lebensmitteln müssen Hersteller vom Gesetz her alle verwendeten Zutaten deklarieren. Für Glühwein ist das bisher jedoch nicht verpflichtend. Erfreulicherweise hat sich das für alle ab dem 8. Dezember 2023 produzierten Weinerzeugnisse geändert. Die Glühweine im Test betrifft es aber noch nicht.

Vorbildlich druckt die Lorenz Weinkellerei auf die Packung von Omas Glühwein bereits jetzt ein Zutatenverzeichnis und deklariert dort – in Einklang mit den Laborergebnissen von „Öko-Test“ - gesetzlich korrekt „Aroma“. Auch der Alnatura Glühwein geht mit diesem guten Beispiel voran.

Die Gerstacker Weinkellerei erklärt auf dem Etikett ihres Christkindles Markt-Glühwein ausführlich, dass die Gewürzmischung „nur aus natürlichen Gewürzauszügen wie zum Beispiel Heidelbeere, Anis, Kardamom, Macisblüten, Muskat, Nelken, Orangen- und Zitronenschalen, Piment, Zimt“ diesen zum beliebtesten Deutschlands habe werden lassen. Hier empfehlen dir die Öko-Tester:innen, kritisch zu bleiben. Denn die Beschreibung ist lediglich die Geschichte eines historischen Erfolgsrezepts und keineswegs die aktuelle Zutatenliste. Dort müsste nämlich „Aroma“ oder eine genauere Bezeichnung stehen, was natürlich nicht ganz so schön klänge.

Nachweisbare Pestizidbelastung nicht unbedenklich

Was du auch zukünftig nicht auf den Zutatenlisten finden wirst: Rückstände von Spritzgiften, die zum Beispiel aus dem Traubenanbau stammen können. Auch diese Untersuchung ist in die Testergebnisse eingeflossen. Das Ergebnis: Alle sechs konventionellen Glühweine enthalten mindestens ein Pestizid in Spuren, die beiden Glühweine der Winzergemeinschaft Franken (GWF) und der Winzer von Baden (WVB) sogar Spuren von jeweils drei Spritzgiften.

Im badischen WVB Glühwein Premium finden sich zwei in den Augen von „Öko-Test“ besonders bedenkliche Pestizide: Iprovalicarb ist laut Europäischer Chemikalienagentur ECHA als „vermutlich krebserregend“ eingestuft, Dimethomorph steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.

Nicht die Spur eines Pestizids fand sich in den drei Bio-Glühweinen. Einer davon – der Hygge Glühwein von Voelkel – ist auch dasjenige mit dem geringsten Zuckergehalt unter den neun Testkandidaten im Heft. Online findest du die Ergebnisse weiterer 15 Produkte.

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