Nanomaterialien in Kosmetika: Wirkung und Risiken

Umstrittene Inhaltsstoffe

Nanomaterialien in Kosmetika: Wirkung und Risiken - Umstrittene Inhaltsstoffe

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Sie sind winzig klein und in vielen Alltagsprodukten wie Wandfarben, Textilien oder Kosmetika enthalten: Nanomaterialien. Ihre Risiken und Langzeitwirkungen sind zwar noch nicht ausreichend erforscht, aber vorhandene Studien lassen vermuten, dass die Partikel schädlich für deine Gesundheit und die Umwelt sein können. In Kosmetika sind einige Stoffe in Nanoform seit kurzem verboten.

Eine generelle Kennzeichnungspflicht für Nanoprodukte gibt es noch nicht, aber seit 2013 müssen Nanomaterialien in Kosmetika auf der INCI-Liste gekennzeichnet werden.

Änderung der EU-Kosmetikverordnung

Im März 2024 wurden nun einige Nanomaterialien als verbotene Stoffe in die EU-Kosmetikverordnung aufgenommen. Dazu gehören unter anderem Styrene/Acrylates Copolymer [nano], Kupfer [nano], kolloidales Silber [nano], Gold [nano] und Platin [nano]. Für ein generelles Verbot oder eine Sicherheitsbewertung von Nanomaterialien fehlen nach Ansicht des unabhängigen Wissenschaftlichen Ausschusses Verbrauchersicherheit (engl.: Scientific Committee on Consumer Safety, SCCS) ausreichende Daten und Studienberichte.

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Was ist Nanomaterial eigentlich?

Nanomaterialien (von griechisch „Zwerg“) sind winzige Teilchen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Ein Nanometer entspricht einem Milliardstel Meter. Zur Veranschaulichung: Ein menschliches Haar ist 80.000 Nanometer breit. Diese mikroskopisch kleinen Partikel können jedoch andere Eigenschaften haben als Partikel in normaler Größe.

In welchen Kosmetikprodukten kommt Nanomaterial vor?

Kosmetikhersteller verwenden in ihren Produkten verschiedene Inhaltsstoffe in Nanoform. In Sonnenschutzmitteln sind dies vor allem Titandioxid [nano] und Zinkoxid [nano] als mineralische Lichtschutzfilter. Sie machen die sonst oft zähe Sonnencreme und andere Cremes dünnflüssiger und damit besser verteilbar. Auch Lippenpflegeprodukte mit UV-Filter enthalten Titandioxid als Lichtschutz- oder Farbstoff (CI 77891[nano]). In Zahnpasta findest du vor allem den Wirkstoff Hydroxyapatit [nano] und Titandioxid [nano] als weißen Farbstoff. Als Bakterienkiller oder Konservierungsmittel setzen Hersteller in Cremes, Seifen und Deos in Nanoform verkleinerte Edelmetalle wie Silber, Kupfer und Gold ein. Auch Kajalstifte und Wimperntusche werden durch Nanopartikel haltbarer gemacht. Aufgrund ihrer geringen Größe können Nanomaterialien die Hautbarriere durchdringen. Zum Teil werden sie in Kosmetika eingesetzt, um Wirkstoffe in die Haut zu schleusen.

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Warum ist Nanomaterial umstritten?

Nanopartikel können aufgrund ihrer geringen Größe umwelt- und gesundheitsgefährdend sein. Vor allem bei oberflächlichen Verletzungen der Haut oder bei Reizungen wie zum Beispiel bei Sonnenbrand können sie deine natürlichen Schutzbarrieren leichter durchdringen und destabilisieren. „Einmal im Körper, haben sie das Potenzial, biologische Membranen zu durchdringen und in den Blutkreislauf zu gelangen oder sich in Organen anzureichern.“, erklärt Dr. Ruta Almedom, wissenschaftliche Leiterin von CodeCheck. „Oft existieren noch keine geeigneten Methoden, um die Auswirkungen von Nanomaterialien im Körper genauer zu untersuchen.”

Sonnenschutzmittel mit Nanopartikeln

Bei gesunder Haut haben Studien zwar keine Gefährdung gezeigt, doch hinkt die Forschung zu den genauen Auswirkungen noch hinterher. Treibmittelbasierte Puder und Sprays, die Nanomaterialien enthalten, gelten als besonders bedenklich, da sie eingeatmet werden und über die Lunge besonders leicht in den Blutkreislauf gelangen können. So führte das Einatmen von Titandioxid [nano] und Zinkoxid [nano] bei Versuchstieren zu Entzündungen und Tumoren in der Lunge. Nano-Titandioxid verursachte in Studien auch Schädigungen von Wasserlebewesen. Silber in Nanoform hingegen kann zu Zellschäden und Bildung resistenter Stämme schädlicher Mikroorganismen führen, was eine Antibiotikaresistenz zur Folge haben kann.

So erkennst und vermeidest du Nanostoffe in Kosmetik

Lass dich nicht von vertrauenerweckenden Bezeichnungen wie „Naturkosmetik“ oder „Kids“ täuschen, wenn du Kosmetik mit Nanomaterial vermeiden möchtest. Auch zertifizierte Naturkosmetik kann Nanopartikel enthalten. Hier hilft nur ein genauer Blick auf die INCI-Liste, denn seit Juli 2013 müssen Nanomaterialien als Inhaltsstoffe auf der Verpackung angegeben werden. Achte auf den Zusatz „Nano“ ([nano]) oder nutze die CodeCheck-App: Einfach den Barcode einscannen und schon werden dir bedenkliche Inhaltsstoffe wie Nanopartikel rot angezeigt.

Sonnencremes, die frei von Nanomaterial sind

Kommt das Verbot für Nanomaterial in Kosmetik?

Wie eine gemeinsame Untersuchung von CodeCheck und dem Vergleichsportal Testberichte.de im Jahr 2023 zeigte, enthielt ein Viertel der beliebtesten Sonnencremes den kritischen Inhaltsstoff Titandioxid [nano], darunter Markenprodukte, Naturkosmetik und Sonnenschutzmittel für Kinder. „Öko-Test“ wiederum stellte bei einer Partikelmessung in Lippenpflege mit UV-Schutz fest, dass enthaltene Nanopartikel auf der Verpackung nicht als solche gekennzeichnet waren. Insgesamt ist Titandioxid in Nanoform zwar langsam auf dem Rückzug. Dennoch müssen weitere wissenschaftliche Studien zu den Risiken in Kosmetika folgen, um ein EU-Verbot, das es bereits für Nanomaterial in Lebensmitteln gibt, schneller voranzutreiben.

Quellen

Weiterführende CodeCheck-Links

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