Mineralöle: Günstige Hautpflege mit kurzem Effekt

Inhaltsstoffe in Kosmetika und ihre Wirkung

Mineralöle: Günstige Hautpflege mit kurzem Effekt - Inhaltsstoffe in Kosmetika und ihre Wirkung

[final] Ron Lach / Pexels 80
Pexels / Ron Lach

von

Hier erklärt dir unsere Inhaltsstoffexpertin und wissenschaftliche Leiterin Dr. Ruta Almedom kurz und knapp, was du über mineralölbasierte Stoffe wissen solltest: warum sie in Pflegeprodukten verwendet werden und wie du sie erkennst, wenn du sie vermeiden möchtest.

Paraffinum Liquidum, Microcrystalline Wax und Petrolatum sind die drei häufigsten Substanzen, die in Hautpflegeprodukten enthalten sind.

Wie Mineralöl auf der Haut wirkt

Inhaltsstoffe aus Mineralölen werden bereits seit über 100 Jahren in der Kosmetik verwendet. Sie sind preiswert in der Herstellung, vielseitig einsetzbar, hypoallergen, leicht auf der Haut zu verteilen und daher auch sehr beliebte Rohstoffe für Herstellende von konventioneller Kosmetik und Pharmazieprodukten. Als Ersatz für vergleichsweise teure, hochwertige pflanzliche Öle und Wachse können Lippenpflegemittel beispielsweise bis zu 70 Prozent Mineralparaffine enthalten, so das Gesundheitsdepartement des Kantonalen Laboratoriums in Basel-Stadt. Sie bilden einen glatten Film auf der Hautoberfläche und erzeugen sofort ein geschmeidiges Gefühl. Dieser Effekt der Feuchtigkeit entsteht, weil aus der Haut kein Wasser mehr entweichen kann, sobald du Produkte auf Mineralölbasis aufgetragen hast.

Gesunde Haut steht in ständigem Feuchtigkeitsaustausch mit der Umgebung und gibt dabei auch regelmäßig Wasser ab. Das nennt sich transepidermaler Wasserverlust (TEWL). Wird ein wasserdichter Film aufgetragen, verbleibt die Feuchtigkeit wie eingeschlossen in den oberen Hautschichten; die Haut wirkt praller und mit Feuchtigkeit versorgt. Diese Wirkung ist jedoch nur oberflächlich und von kurzer Dauer, denn mit der regelmäßigen Abdichtung kann deine Haut die Fähigkeit verlieren, ihre Feuchtigkeitsbalance selbst zu regulieren.

Hinter diesen Begriffen verbirgt sich Mineralöl

Mineralöl ist in vielen Haut- und Duschcremes, Körpergelen und -ölen sowie in Haarstylingprodukten und Lippen(pflege)stiften enthalten. Folgende Inhaltsstoffe sind mineralölbasiert:

  • Paraffinum Liquidum
  • Petrolatum
  • Cera Microcristallina
  • Microcrystalline Wax
  • Ozokerite Mineral Oil
  • Ceresin
  • Isoparaffin
  • Vaseline

Es gibt aber zunehmend mehr Produkte ohne diesen Inhaltsstoff am Markt.

Vier Produktbeispiele ohne mineralölbasierte Inhaltsstoffe

Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit

Erdöl ist kein nachwachsender Rohstoff. Daher gelten erdölbasierte Inhaltsstoffe als nicht nachhaltig. Oft gehen mit der Gewinnung Umweltkatastrophen wie Ölverschmutzungen, Schäden an natürlichen Lebensräumen und Auswirkungen auf den Klimawandel einher. Die kosmetisch einsetzbaren Mineralöle werden durch Destillation aus Rest- bzw. Altöl hergestellt. Bei der chemischen Aufbereitung von Mineralöl werden die Moleküle des Altöls in kleinere Moleküle zerlegt und unerwünschte Verunreinigungen entfernt. Dabei gilt: Je mehr Aufreinigungsstufen das Öl durchläuft, desto weniger Verunreinigungen sind zu erwarten.

Bei diesen Verunreinigungen handelt es sich um so genannte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH).

  • Gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH): Tierstudien zeigten, dass sie entzündliche Auswirkungen auf die Leber haben können.
  • Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): Einige Stoffe in MOAH, zum Beispiel polyzyklische aromatische Verbindungen (PAK), können genetische Veränderungen und Krebs verursachen. Konkret: Ungenügend aufgereinigte Mineralöle können schon bei Hautkontakt krebsauslösend wirken. So schreibt auch die EU-Kosmetikverordnung vor, dass Mineralöle in kosmetischen Produkten nur dann verwendet werden dürfen, wenn der Ausgangsstoff nicht als krebserregend eingestuft und der Raffinationsprozess vollständig bekannt ist. Weiterhin sollen die in Kosmetika verwendeten Mineralöle die Reinheitsanforderungen für Arzneimittel erfüllen.

Das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) betont, „dass nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand gesundheitliche Risiken durch die Verwendung von hochraffinierten Mineralölen in Kosmetika bei Anwendung auf der Haut unwahrscheinlich sind.“

Dennoch zeichnen Resultate von Messungen der staatlichen Landesuntersuchungsämter und Verbraucherorganisationen wie „Öko-Test“ ein anderes Bild. Regelmäßig wiesen sie in den Jahren 2018 bis 2022 in Lippenstiften, Mascara und anderen kosmetischen Produkten teils erhöhte MOSH- oder MOAH-Werte nach. Besonders problematisch ist das im Fall von Lippenstiften. Bei der Verwendung nimmst du diese Stoffe direkt über den Mund in den Körper auf. Das sieht auch das BfR kritisch. Wir von CodeCheck empfehlen: Möchtest du dich keinem Risiko aussetzen, verzichtest du am besten ganz auf mineralölbasierte Inhaltsstoffe.

Lippenpflege und -kosmetik ohne Mineralöle

Pflanzliche Stoffe als vollwertige, besser pflegende Alternative

Eine gute Alternative sind pflanzliche Öle und Wachse wie Jojobaöl, Sheabutter oder Carnaubawachs. Sie ziehen größtenteils in die Haut ein, unterstützen die Regeneration der Lipidschicht und hinterlassen ein gepflegtes, sanftes Hautgefühl. So helfen sie, den Feuchtigkeitshaushalt deiner Haut auf natürliche Weise auszubalancieren. Da sie biologisch abbaubar sind, tragen pflanzliche Inhaltsstoffe zu einer umfassend schonenden und nachhaltigen Hautpflege bei.

Weiterführende Links

Quellen

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

0/5 0 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

[final] Handcreme
Gepflegte Hände –
[final] Hautpflege Herbst
Hautpflege im Herbst –
[final] Öko-Test Margarine 100
Margarine im „Öko-Test“ –

Auswertung

Zahnpasta-Lippenstift Blogheader

CodeCheck warnt vor Titandioxid in Zahnpasta und Lippenstiften

Trotz gesundheitlicher Bedenken ist immer noch Titandioxid in vielen Kosmetikprodukten enthalten, die mit Schleimhäuten in Berührung kommen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von CodeCheck. Untersucht wurden die am häufigsten gescannten Lippenstifte und Zahnpasten.* Ergebnis: 72 Prozent der Lippenstifte enthalten Titandioxid, bei Lippenpflegeprodukten sind es 21 Prozent und bei Zahnpasten 19 Prozent.

Neue Studien

CC Blog Header-Bilder-E-Nummern

Hochverarbeitetes Essen schadet Gesundheit

Pizza, Softdrinks, Fertiggerichte – bequem, günstig und allgegenwärtig. Doch was praktisch erscheint, kann krank machen. Eine Artikelserie im renommierten Fachjournal The Lancet zeigt: Hochverarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods, kurz UPFs) gefährden weltweit die Gesundheit.

Insektenbestandteile in Lebensmitteln

[final] Insekten in Lebensmitteln

CodeCheck macht Insekten sichtbar

Immer mehr Insekten werden für den Einsatz in Lebensmitteln erlaubt – ob in Brot, Pasta, Riegeln oder Snacks. Doch Informationen dazu finden sich oft nur im Kleingedruckten der Zutatenliste. Für Allergiker:innen, die empfindlich auf Krustentiere oder Hausstaubmilben reagieren, können diese Zutaten ein Risiko darstellen.

Neue Studien

CC Blog Header-Bilder-E-Nummern

Vorsicht E-Nummern: Risiko für den Darm

Sie sind in Backwaren, Schokolade, Eis, Desserts, Margarine und Fleischprodukten: Lebensmittelzusatzstoffe, die die Darmgesundheit gefährden. Besonders betroffen sind Menschen, die regelmäßig stark verarbeitete Produkte konsumieren. Laut einer neuen Meta-Studie können Farbstoffe, Süßstoffe, Emulgatoren und Konservierungsmittel Entzündungen im Darm verstärken und die Zusammensetzung der Darmflora schädigen. Lebensmittel-Zusatzstoffe sind in den Inhaltsangaben als E-Nummern zu erkennen.