Kinderarbeit für den schönen Schein

Inhaltsstoff Mica in Kosmetik

Kinderarbeit für den schönen Schein - Inhaltsstoff Mica in Kosmetik

[final] Mica
Canva Pro

von

Hinter vielen Kosmetikprodukten steckt Tierleid. Aber Kinderleid? Betroffen sind vor allem Make-up-Artikel wie Lidschatten, Lippenstifte und Nagellacke. Sie enthalten oft Glimmer, ein natürliches Mineral, für dessen Abbau in vielen Ländern Menschen unter katastrophalen Bedingungen in Minen schuften müssen - auch Kinder. Was du gegen diese Ausbeutung tun kannst und ob es Alternativen zu dem beliebten Inhaltsstoff gibt, erfährst du hier.

Glimmer sorgt in Make-up-Produkten für einen perlmuttartigen Schimmer auf Haut und Nägeln. In den INCI-Listen wird der Inhaltsstoff entweder unter seinem englischen Namen „Mica“ oder mit der Nummer CI 77019 geführt. Mica gilt als gesundheitlich unbedenklich für die Haut, aber der Preis für die Gewinnung ist hoch.

Gefährliche Arbeitsbedingungen

Der Rohstoff für die beliebten Glitzerpartikel wird vor allem in Indien und nicht selten in illegalen Minen von Frauen und Kindern abgebaut. Die Arbeit ist hart, gefährlich und schlecht bezahlt. In den Minen gibt es kaum Schutzmaßnahmen oder staatliche Kontrollen. Viele Arbeiter:innen leiden an Atemwegserkrankungen und Schnittwunden am ganzen Körper, ihre Kinder gehen nicht zur Schule und müssen bei der gefährlichen Tätigkeit mithelfen.

[final] Mica Illu 1
Canva Pro

Weltweiter Standard für mehr Transparenz

Es gibt Beauty-Firmen, die bewusst auf Mica verzichten. Andere sagen, dass sie nur auf Mica-Lieferanten zurückgreifen, die Kinderarbeit verbieten. Doch wie lässt sich das kontrollieren? Das zu realisieren, hat sich die Responsible Mica Initiative (RMI) zur Aufgabe gemacht. Sie setzt sich für weltweite Standards beim Abbau des Rohstoffs ein. Ziel ist es, bis 2030 Lieferketten mit fairen Arbeitsbedingungen ohne Kinderarbeit zu etablieren. Auch die Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes ist Gründungsmitglied.

Verantwortung bei der Gewinnung übernehmen

Mehr als 90 Unternehmen haben sich bereits dem RMI-Standard verpflichtet, darunter auch große Kosmetikhersteller wie L’Oréal, Beiersdorf, The Body Shop und Estée Lauder. Die Mitgliedschaft ist jedoch kein Freibrief für die Verwendung von Mica, denn das RMI stellt keine Zertifikate für eine ethisch korrekte Herkunft aus. Bei der Beschaffung von Glimmer müssen die Hersteller selbst für die Rückverfolgbarkeit der gesamten Lieferkette sorgen und die Verantwortung sowohl für die direkten Lieferanten als auch für die Zwischenhändler übernehmen. Dies erfordert Disziplin und einen langen Atem, der noch nicht in allen Unternehmen vorhanden ist.

[final] Mica Illu 2
Canva Pro

Gibt es Alternativen?

Auch wenn mit Synthetic Fluorphlogopite, einem aus natürlichen Mineralien hergestellten Glimmer, ein synthetischer Ersatz für Mica zur Verfügung steht, plädieren die Mitglieder der RMI dafür, weiterhin auf natürliches Mica zu setzen – vorausgesetzt, das Mineral wurde unter ethisch vertretbaren Bedingungen abgebaut.

So verwenden einige Naturkosmetikmarken nach wie vor Glimmer. Denn wenn der Abbau in Indien verantwortungsvoll erfolgt, kann er den Menschen vor Ort sogar helfen. Eine nachhaltige Glimmergewinnung trägt zur Verbesserung der Lebensbedingungen bei, zum Beispiel durch den Bau von Schulen und medizinischen Versorgungszentren in den Abbaugebieten, und schafft Arbeitsplätze. Ein Boykott von Glimmer würde für die Arbeitnehmer:innen und ihre Familien vor Ort bedeuten, keine Arbeit und kein Einkommen mehr zu haben. Daher verzichten viele Unternehmen nicht rigoros auf Glimmer – ein Vorgehen, das auch die UNO und führende Nichtregierungsorganisationen (NRO) unterstützen.

Produkte mit Mica

Was du für bessere Abbaubedingungen tun kannst

Frage im Handel oder beim Hersteller nach, woher der Glimmer in deinem Kosmetikprodukt stammt. Mit der CodeCheck-App schnell und einfach herausfinden, ob Mica enthalten ist. Ist das Unternehmen Mitglied im RMI? Ist sichergestellt, dass das Glimmermineral nicht aus illegalen Minen stammt und keine Kinder ausgebeutet werden? Wenn auch wir Verbraucher:innen deutlich machen, dass uns die Herkunft des Stoffes nicht egal ist, werden sich Unternehmen noch mehr in der Pflicht sehen, ihre Verantwortung ernst zu nehmen.

Quellen

CTA-EndeArtikel-650x371-650x371
CodeCheck

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

0/5 0 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

Creme Haut
Spannungsgefühle, Juckreiz, raue Stellen –
[final] Öko-Test Kajal
Kajalstifte im Öko-Test –

Auswertung

Zahnpasta-Lippenstift Blogheader

CodeCheck warnt vor Titandioxid in Zahnpasta und Lippenstiften

Trotz gesundheitlicher Bedenken ist immer noch Titandioxid in vielen Kosmetikprodukten enthalten, die mit Schleimhäuten in Berührung kommen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von CodeCheck. Untersucht wurden die am häufigsten gescannten Lippenstifte und Zahnpasten.* Ergebnis: 72 Prozent der Lippenstifte enthalten Titandioxid, bei Lippenpflegeprodukten sind es 21 Prozent und bei Zahnpasten 19 Prozent.

Neue Studien

CC Blog Header-Bilder-E-Nummern

Hochverarbeitetes Essen schadet Gesundheit

Pizza, Softdrinks, Fertiggerichte – bequem, günstig und allgegenwärtig. Doch was praktisch erscheint, kann krank machen. Eine Artikelserie im renommierten Fachjournal The Lancet zeigt: Hochverarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods, kurz UPFs) gefährden weltweit die Gesundheit.

Insektenbestandteile in Lebensmitteln

[final] Insekten in Lebensmitteln

CodeCheck macht Insekten sichtbar

Immer mehr Insekten werden für den Einsatz in Lebensmitteln erlaubt – ob in Brot, Pasta, Riegeln oder Snacks. Doch Informationen dazu finden sich oft nur im Kleingedruckten der Zutatenliste. Für Allergiker:innen, die empfindlich auf Krustentiere oder Hausstaubmilben reagieren, können diese Zutaten ein Risiko darstellen.

Neue Studien

CC Blog Header-Bilder-E-Nummern

Vorsicht E-Nummern: Risiko für den Darm

Sie sind in Backwaren, Schokolade, Eis, Desserts, Margarine und Fleischprodukten: Lebensmittelzusatzstoffe, die die Darmgesundheit gefährden. Besonders betroffen sind Menschen, die regelmäßig stark verarbeitete Produkte konsumieren. Laut einer neuen Meta-Studie können Farbstoffe, Süßstoffe, Emulgatoren und Konservierungsmittel Entzündungen im Darm verstärken und die Zusammensetzung der Darmflora schädigen. Lebensmittel-Zusatzstoffe sind in den Inhaltsangaben als E-Nummern zu erkennen.

Für Verbraucher kaum erkennbar

CodeCheck Palmöl Header CanvaPro 2

Fast alle Sonnencremes enthalten Palmöl

Die populären Sonnencremes enthalten so gut wie alle palmölbasierte Inhaltsstoffe – oft gut versteckt hinter anders klingenden Inhaltsstoffen wie Glyceryl Stearate oder Ascorbyl Stearate. Es gibt rund 200 solcher Inhaltsstoffe, die ausschließlich aus Palmöl gewonnen werden. In über 100 weiteren wie Cetyl/Cetearyl Alkohol oder Glycerinkann kann Palmöl enthalten sein kann – Betonung auf “kann”. Sicherheit haben Verbraucherinnen also nicht; auch dann nicht, wenn sie alle diese Begriffe kennen würden.