Faire Wolle kaufen: Worauf ist zu achten?

Tierwohl

Faire Wolle kaufen: Worauf ist zu achten? - Tierwohl

wolle2

von

Spätestens im Herbst überdenken viele Menschen ihre Winterausrüstung. Am liebsten sollen Mantel, Pullover oder Mützen aus echter Wolle sein. Das hält warm und ist schön flauschig. Doch leider ist die Massenproduktion von Wolle oft brutal. Es zählt der Kilopreis der Wolle, nicht die Qual des Tieres während der Schur. Aber es gibt glücklicherweise „Faire Wolle“ als Alternative.

Die Eiweißfasern von Wolle können viel Feuchtigkeit speichern und wieder abgeben. Zudem ist sie geruchsneutral. Doch die Tierschutzorganisation „PETA“ enthüllte zuletzt 2017, wie viel Leid den sanften Tieren bei der Schur widerfährt.

Die Qual der Lämmer und Schafe

So berichtet ein Augenzeuge gegenüber „PETA“: „Ich habe Schafe gesehen, denen man das halbe Gesicht weggeschoren hat.“ Grobe Scherer, die den Schafen neben Wolle auch ganze Hautstücke abscheren, sind heute nach wie vor an der Tagesordnung. Das Leid von Schafen beginnt laut den Tierschützer früh – so beschreiben sie auf ihrer Seite: „Wenige Wochen nach ihrer Geburt werden Lämmern die Ohren durchstochen; ihre Schwänze werden gekürzt, und männliche Lämmer werden kastriert – das alles meist ohne Betäubung.“

Ein Großteil der weltweit gehandelten Merinowolle stammt aus Australien, Neuseeland und Südamerika.

Unter Experten ist längst bekannt, dass über 60 Prozent aller weltweiten Schafe routinemäßig verstümmelt werden. Die Praxis nennt sich „Mulesing“ - zur Verhinderung von Fliegenmaden wird Lämmern ohne Schmerzausschaltung ein Hautstück vom Hinterteil entfernt.

Glücklicherweise ist diese Praxis in Neuseeland heute verboten. Zudem distanzieren sich mittlerweile auch große Textilunternehmen wie „Adidas“ und „H&M“ bereits von Unternehmen, die „Mulesing“ einsetzen. Doch erst im August 2018 machte „PETA“ publik, wie Schafe auf 25 Farmen in Großbritannien misshandelt wurden.

Schaf

Was für Alternativen gibt es?

Kleidung aus Tierwolle – sei es aus Schaf-, Ziegen- (Cashmir), Alpaka- oder Kaninchenwolle (Angora) – kann für Tierfreunde dennoch guten Gewissens getragen werden, wenn beim Kauf auf folgende Punkte geachtet wird. Besonders einfach wird der Kauf eines tierleidfreien Kleidungsstücks durch Bezeichnungen und Siegel auf dem Etikett, das innen eingenäht ist. Hierauf kannst Du achten:

kbT - „kontrolliert biologische Tierhaltung“

Zunächst garantiert die Bezeichnung „kontrolliert biologische Tierhaltung“ (kbT) auf einem Kleidungs-Etikett, dass die Wolle aus „artgerechter Tierhaltung“ stammt. Sie richtet sich nach den europäischen Richtlinien für ökologischen Landbau.

Gegenüber Kontrolleuren müssen die Unternehmen gesetzliche Vorgaben beweisen. Diese prüfen, dass die Tiere genügend Auslauf auf der Weide und im Stall erhalten müssen. Auch wird auf Bewegungsfreiheit und Entfaltung für artgerechte Verhaltensweisen geachtet. Auch Fütterungszeiten, Tierarztbehandlungen und Krankheitsvorsorge werden geprüft. Dafür werden häufig Tierhaltungstagebücher, Fütterdokumentationen und ähnliches analysiert.

Wolle aus „kontrolliert biologischer Tierhaltung“ ist überdies frei von Pestiziden oder fragwürdigen Färbemitteln. Ausführliche Informationen zur Kontrolle und Zertifizierung stehen im Internet unter „Oekolandbau.de“.

Bevorzugt europäische Wolle kaufen

Es stimmt, Merinowolle ist schön weich und nicht so kratzig. Jedoch können wahre Tierfreunde viel sicherer gehen, dass die Wolle von glücklichen Tieren stammt, indem sie Bio-Wolle aus Europa kaufen. Denn bei Wolle aus Übersee lässt sich trotz Versicherung der Hersteller nicht immer verhindern, dass die Tiere gequält werden.

Überdies ist hierzulande „Mulesing“ verboten und der hiesige Berufsstand der Schäfer freut sich über Unterstützung. Gemäß „Bioland“ findet sich übrigens auch in Europa Wolle von qualitätsvollen Merinoschafen oder Fuchsschafen. Eine Liste der möglichen Wollmanufakturen, Schäfereien und Läden, die deutsche Bio-Wolle verkaufen, findest Du hier.

Selber Stricken mit Wolle von einheimischen Schäfern

Handarbeit liegt nicht jedem. Doch Stricken ist eindeutig im Sinne des Wohles von Schafen, Ziegen, Alpakas, Kaninchen und anderen Wolle liefernden Tieren. Mit Strickwolle von einheimischen Schäfern lässt sich der ökologische Fußabdruck reduzieren und überdies sicher stellen, dass die Wolle nicht von Farmen aus Übersee stammt.

Labels unterstützen, die „fair zu Tieren“ sind

„Artgerechte Haltung und mulesingfreie Schurwolle bedeuten für die Tiere noch immer kein glückliches Leben“, heißt es auf der Homepage des Berliner Modelabels „Zue Anna“. Die Marke verkauft seit September 2017 einen einzigen klassisch-blauen Wollpullover in einer Damen- und einer Herrenausfertigung. Der Pullover kostet stolze 220 Euro.

Hier wird jedoch beim Scheren laut Herstellerangaben ein weltweit einzigartiger Standard eingehalten: „Unsere Schafe werden entgegen gängiger Industrienormen nur einmal pro Jahr auf minimal 10 Millimeter geschoren.“ Auch erhalten die Tiere nach der Wollproduktion ihren verdienten „Ruhestand“ und werden vor dem Schlachten gerettet.

Dazu leben die Schafe auf einem sehr großzügigen Areal mit ausreichend Freifläche; darüber hinaus verzichtet das Berliner Label auf Mulesing, Enthörnung, Pestizidbäder, Kupieren und Ohrmarken.

Wolle von Labels kaufen, die nach IVN und GOTS zertifiziert sind

Es gibt immer mehr Labels mit Standort in Deutschland, die Kollektionen aus kontrolliert biologischer Tierhaltung herstellen, zum Beispiel „disana“, „Cotonea“, „Engel und Engel Sports“, „Flomax Naturmode“ oder „Lotus Design“.

Die Labels tragen alle das GOTS-Zertifikat (Global Organic Textile Standard) und das noch strengere BEST-Zertifikat des IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.). Beide Logos gewährleisten nicht nur schadstofffreie Garne, Umweltschutz und Sozialstandards für die Arbeiter, sondern auch artgerechte, stressfreie Tierhaltung.

Das IVN-Zertifikat – blau schlägt orange

Das IVN-Zertifikat erkennst Du durch ein blaues Logo, auf dem unten „NATURTEXTIL“ und oben „IVN ZERTIFIZIERT BEST“ steht. Es gibt noch andere INV-Zertifikate, etwa dasselbe Logo in orange, ohne die Bezeichnung BEST. Doch nur das blaue Logo mit der Bezeichnung „Naturtextil IVN zertifiziert BEST“ garantiert, dass die Fläche einer Textilie zu 100 Prozent aus Naturfasern besteht, die aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen. Nur Zusätze wie Reißverschlüsse, Knöpfe, Futter und Einlagen dürfen aus synthetischen Fasern sein.

kleidung

Das GOTS-Zertifikat mit dem T-Shirt

Das GOTS-Zertifikat mit dem grünen T-Shirt-Logo ist weniger streng als das blaue IVN-Zertifikat. Auch das grüne GOTS-Logo gibt es in mehreren Ausfertigungen. Das bessere und strengere ist das Logo mit dem Wort „Organic“. Nur dann ist es zu über 95 Prozent aus biologisch erzeugter Naturfaser-Wolle. Andere GOTS-Logos mit dem Satz „Made with X % organic materials“ sind nur zu 70 bis 94 Prozent aus biologischen Naturfasern.

Am eindeutigsten sind die GOTS-Zertifikate, welche die Bezeichnung „Bio“ oder „kbA/kbT“ tragen. Denn dieser Standard ist an den EU-Bio-Standards und den IFOAM-Standards orientiert und gewährleistet, dass die Tiere tatsächlich auf artgerechte Haltung geprüft wurden.

Ich möchte den Codecheck-Newsletter abonnieren und keine News mehr verpassen

Codecheck.info
4.4/5 7 Stimmen

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

[final] Nachhaltige Weihnachtszeit 90
Bewusster Konsum –
[final] Tierwohl-Siegel 80
Mehr Tierwohl oder Täuschung? –
[final] Öko-Test Colorwaschmittel 90
Colorwaschmittel im „Öko-Test“ –

Anzeige

[final] Headerbild

Natürliche Lippenpflege in der kalten Jahreszeit

Im Winter werden die Lippen durch starke Temperaturschwankungen und trockene Luft besonders beansprucht. Mit einer reichhaltigen Lippenpflege kannst du spröden Lippen jedoch gut vorbeugen: Mit natürlichen Inhaltsstoffen, einer nachhaltigen Philosophie und ausgezeichnet mit dem 100-prozentigen Green Label von CodeCheck bringt dich die Lippenpflege von OYESS zart und geschmeidig durch den Winter.

Produkte für dich entdeckt

[final] Biofach 2024

Neues von der BIOFACH 2024

Vom 13. bis 16. Februar 2024 fand bereits zum 35. Mal die BIOFACH, die weltweit größte Messe für Biolebensmittel, in Nürnberg statt. Bei diesem Treffpunkt der Bio-Community dreht sich alles rund um die Themen Biolebensmittel, Biogetränke und ökologische Non-Food-Produkte.

Feste Duschen im „Öko-Test“

[final] Öko-Test Feste Duschen

Gute Alternativen zu herkömmlichem Duschgel

Kompakt, ergiebig und plastikfrei – immer mehr Hersteller kommen mit festen Duschen auf den Markt. Die Waschstücke werden auch gern gekauft, denn sie sind eine gute Alternative zum herkömmlichen Duschgel. Das kann „Öko-Test“ weitestgehend bestätigen. Im Test waren 30 feste Duschgele, konventionelle und zertifizierte naturkosmetische Produkte. Das erfreuliche Ergebnis: Knapp über zwei Drittel der festen Duschgele sind mit Bestnote empfehlenswert. Nur wenige Inhaltsstoffe sind bedenklich.

Sicher schminken

[final] Kinderkosmetik

Gefährliche Inhaltsstoffe in Kinderkosmetik erkennen

Prinzessin, Löwe, Ritter oder Clown: In der Faschingszeit stehen Glitzerpuder, Lipgloss und spezielle Schminksets bei Kindern besonders hoch im Kurs. Mit ein bisschen Farbe auf Gesicht und Nägeln verwandeln sie sich im Nu in bunte Fantasiegestalten. Doch ist diese Kosmetik überhaupt für Kinder geeignet? Wie sicher sind die Inhaltsstoffe? Wir haben Herrn Dr. Urs Hauri, Experte für Inhaltsstoffe in Kosmetik und stellvertretender Leiter Chromatographie des Schweizer Kantonalen Laboratoriums Basel-Stadt, zum Thema befragt.

Orangensaft im „Öko-Test“

[final] Öko-Test Orangensaft 100

Oh, oh, Orangensaft ...

„Öko-Test“ wollte wissen, ob Orangensaft, der derzeit wie andere Lebensmittel immer teurer wird, sein Geld wenigstens wert ist. Das Urteil ist nicht eindeutig. Zwar stimme die Qualität meistens, sagen die Tester:innen, aber die Arbeitsbedingungen auf den Orangenplantagen stellen sie nicht überall zufrieden. 19 Produkte standen auf dem Prüfstand, nur ein fair gehandelter Discountersaft schneidet „sehr gut“ ab.